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Konsumenten im Nebel

Mein Leben unter einer Zielgruppe

Die neuesten Apple- und Samsung-Produkte wollen diskutiert werden. Jeden Tag. Man will gut informiert sein. Wo kann man günstig einkaufen, welchen Film muss man sehen? Transformers 3 war ja so geil! Wohin geht der nächste Urlaub? Wie schrecklich ist Hollister denn bitte, und wie doof ist Ed Hardy? Die Tochter steht aber drauf, deswegen muss man es ja kaufen, was man sonst ja eigentlich nie tun würde. Gestern lief wieder eine Casting/Reality/Irgendwer-macht-sich-zum-Deppen-Show, wie peinlich war das denn bitte, wieso machen die das! Die neue „Mandy“-Single muss ich unbedingt haben. Die sieht ja so geil aus. Geile Möpse auch. Der Typ schlägt seine Frauen, ich habe eigentlich nichts mit ihm zu tun, ist nicht wirklich ein Freund, und das geht mich ja nichts an, was soll man machen, ja, wir sind auf Facebook befreundet. Oh, wieder ein Amazon-Paket. Und noch eins. Es ist das Toiletten-Papier-Abo. Android ist mir zu bunt, das iPhone hat genau die richtige Größe für mich. Ein paar Tage am Pool liegen in Las Vegas muss schon sein, und dann halt noch zum Grand Canyon fahren. Beim Benzin versuche ich ein paar Cent zu sparen, aber so ein kleines Auto das weniger Benzin verbraucht, das würde meine Frau nicht gut finden.

„Faust“, von Goethe? Kenne ich nicht, habe ich noch nie etwas von gehört.

Das Leben inmitten der Zielgruppe kann ernüchternd sein. Denn sie sind viele. Und es ist ihnen egal.

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