Die Arbeit der anderen

Irgendwie verschlägt einen die Projektarbeit immer wieder in großraumige Büros. Mal mit nur ein paar weiteren Menschen im Raum, mal mit so vielen, dass man gar nicht mehr alle kennt. Und vor allem häufig mit solchen Menschen, mit denen man eigentlich gar nichts weiter zu tun hat (oder haben will, aber das ist eine andere Geschichte). Während ich die Idee der sozialen Kontakte ja eigentlich ganz ratsam finde, bin ich doch selber nicht unbedingt derjenige, der sie ständig verfolgt. Daher sehe ich es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mein kontaktscheues Ich ist dankbar, dass Kontakte sich „von selbst“ ergeben, dass sie einem gewissermaßen aufgezwungen werden. Mein ruhesuchendes Ich saugt an meiner Energie, die ich bräuchte, um im Telefon- und Gesprächsgetöse noch denken oder (schlimmstenfalls) ebenfalls kommunizieren zu können.

Ein komischer Nebeneffekt dieser Massenarbeiterhaltung ist jedoch auch, dass ein Benchmarking möglich wird: ständig wird man mit der Arbeitsleistung oder Nicht-Leistung der Kollegen/Mit-Anwesenden/Menschen im Raum konfrontiert. Hört das Hacken auf der Tastatur, das klicken der Maus oder das Telefonieren, sieht die Konzentration oder Nicht-Konzentration, die Frequenz der Kaffee-Maschinen- und, ergo, Klo-Gänge, oder die Zeit, in der Fußball-/Auto-/Gadget-Geblubber mit anderen Kollegen/Mit-Anwesenden/Menschen über echte Arbeit präferiert wird. Die ganze Bandbreite von gelangweilter Nichtsnutz bis überarbeiteter Karrierist ist häufig genug vertreten, als wunderschöne Feldstudie vor der Nase präsentiert. Und es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich damit zu vergleichen, sich zu fragen: wie fleißig wirke ich denn wohl auf meine Umwelt? Wie ergiebig bin ich (wie ein kleines Steak, oder wie der weiße Riese)? Sind die anderen wirklich so viel fleißiger, oder bin ich einfach nur wesentlich effektiver? Müsste ich überhaupt mehr machen, wenn alles grün ist? Wenn man seine Arbeit richtig macht, kann man sich auch mal langweilen, ist so meine Erfahrung. Vielleicht bin ich auch einfach nicht karriere-geil genug, um mich von so etwas beeinflussen zu lassen.

Immerhin, soziale Medien helfen mir, emsiger zu wirken: der gelegentliche Tweet, oder Blog-Beitrag, gibt schon reichlich Stoff zum tippen und tippend gehört zu werden.

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About Greg B.

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