Liebe Schöler!

Es hat ja seinen Grund, warum manche Menschen einen sein Leben lang begleiten – und einige eben nicht. Es mag Sympathie sein; gemeinsam verbrachte Zeit, die einen verbindet; es mögen die Interessen sein, die man teilt; es können die gleichen Werte und Ideen sein; ähnliche Lebenswege oder geographische Nähe zueinander; oder einfach nur ein Wohlbefinden in der Gegenwart des Gegenüber. Das man bei anderen Menschen vielleicht nicht verspürt. Wo das Interesse nicht ausreicht, um dem jeweiligen Lebenswandel entgegenzuwirken; die Energie nicht ausreicht, den anderen weiter einzubinden; es mögen einzelne Vorfälle in der Vergangenheit gewesen sein, oder ein generell unterschiedliches Empfinden, wie denn das Leben zu leben sei.

Und nirgends treten derlei Unterschiede mehr zu Tage, und werden doch gesellschaftlich versucht ignoriert zu werden, als bei den sogenannten „Ehemaligen“-Treffen. Meist handelt sich dann um irgendwelche ehemaligen Bildungsinstitutionen an denen man gemeinsam Zeit verbracht hat. Point in case: Abitreffen.

Aus meinem Abiturjahrgang habe ich noch Kontakt zu genau einer Person, 2-4 Mal pro Jahr, aus gemeinsamer Musikleidenschaft, und weil wir die Welt ähnlich zynisch betrachten. Alle anderen sind in ihrem kleinen Dunstkreis verblieben, oder gänzlich ausgebrochen, sind spießig geworden, selten aufregender, haben Familien gegründet und sind diesen wieder entflohen, verheiratet, Kinder, Häuser, Karrieren: was die Menschen halt so beschäftigt. Zufälligerweise genau die Dinge, die mich mein Leben lang nur am Rande interessiert haben. Nun hört sich das nach einer grandiosen Vorverurteilung all dieser sicher rechtschaffenden Menschen an, aber vergangene Treffen zeigten schon, dass es in diese Richtung geht. Na ja, ein Treffen. Vor vielen Jahren ließ ich mich zu einer derartigen, rundjährigen Veranstaltung mitreißen. Immerhin, man erkannte mich nicht…sehr befriedigend. Denn mein Ziel, mich verändert zu haben, nie stillgestanden zu sein, schien auch nach außen hin erreicht – auch wenn es sich innerlich nicht immer so anfühlt, da man ja einfach zu viel Zeit mit sich selber verbringt.

Ich schweife ab.

Jedenfalls haben einzelne, hoffnungslos retro-romantisch-verklärte Gestalten es sich mittlerweile auf die Fahne geschrieben, derlei Treffen in 5jährigen Abständen zu organisieren: und nun ist es wieder soweit. Dank Abwesenheit auf Stayfriends (warum sollte ich mit diesen Menschen „befreundet“ bleiben wollen?) und Facebook (zentrale Anlaufstelle für Schocks aus der Vergangenheit) ging mir die Einladung gar nicht erst zu – erst durch in der alten Heimat noch funktionierende Netzwerke wurde es an mich herangetragen. Per Mail, telefonisch, „oh, es wäre doch schön wenn du auch kommen würdest, weil wir dann alle total in Erinnerungen schwelgen können“. Das Ding ist: die ein oder andere Erinnerung mag ich, aber am liebsten mag ich nach vorne sehen, mag vergangenes loslassen, und mich von den Erinnerungen nur noch durch das, was sie sowieso aus mir gemacht haben, beeinflussen lassen. Warum sollte ich mir das alles NOCH einmal durch den Kopf gehen lassen? Noch dazu all die Dinge, die mir beim ersten Mal schon keinen Spaß gemacht haben. Die Verklärung der Schulzeit, ich teile sie nicht. Ich bin froh, nicht mehr in der Schule zu sein. Ich war froh, ihr entfliehen zu können. Möchte nicht wieder dorthin. Und, wie schon erwähnt, ich kann mit den meisten Menschen dort nichts anfangen, so viel Zeit man in seiner Jugend auch miteinander verbracht haben mag.

Für eine ganze Weile habe ich es dann ernsthaft erwogen, dort tatsächlich mal vorbeizusehen. Zum Glück kamen leider viele Dinge dazwischen, so dass ich es einfach nicht geschafft habe. Vielleicht werde ich 1-2 der wirklich engen Wegbegleiter noch einmal separat treffen – frei nach meiner Lebenseinstellung, keine Unterhaltungen mit mehr als 3 Leuten bitte! – , aber selbst das hat Zeit. Und es war gut so. Kein Gefühl, irgend etwas verpasst zu haben.

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About Greg B.

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2 responses to “Liebe Schöler!”

  1. jimmynovakin says :

    ‚retro-romantisch‘, sehr schönes Wort, wenn ich das mal sagen darf. Sind einige wahre Worte, die du ansprichst. Bei mir würde sich jedoch die Neugier durchringen. Vielleicht bin ich auch einfach zu arrogant und selbstgefällig 🙂

    • Greg B. says :

      Das dachte ich mir zuerst auch, ich wäre ja womöglich besser als die anderen…aber allein schon um den Vergleich zu meiden, habe ich es gelassen. Und meine Neugier lasse ich dann aus zweiter Hand stillen…das reicht 🙂

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