Auseinandersetzung: vielleicht unnötig.

Da redet man sich jahrelang ein, man wäre Misanthrop, so ein schönes Modewort, besonders auf Twitter – doch eigentlich gibt es nur einen Menschen den man nicht mag, und das ist man selber. Vor den anderen hat man, eben deswegen, wahrscheinlich einfach nur Angst. Menschenansammlungen? Nur wenn sie anonym bleiben. Unterhaltungen? Bitte nur eine Person zur Zeit. Enge Kontakte? Bitte nur mit wenigen ausgewählten Menschen.

Die Theorie der Introvertierten, so schön kann sie all dies erklären. Man zieht seine Energie aus sich selbst und dem Mit-sich-sein, nicht aus der Gesellschaft. Man braucht Rückzugsgebiete, muss es nicht immer hektisch haben, zu viele Einflüsse machen das eigene Denken, das einem so wichtig ist, kaputt. Leider dauert es manchmal sehr lang dies zu erkennen, und selbst dann ist es schwer es im Leben für sich zu berücksichtigen. Wie erkläre ich dass ich lieber mal zu Hause bleibe, ohne dabei wie ein langweiliger Stubenhocker zu wirken? Wie erkläre ich dass ich lieber nach 2 Stunden nach Hause gehe, als bis morgens um 5 zu bleiben, wo doch alle so viel Spaß haben? Und ich eben keinen Spaß mehr habe…

Es ist so schwer ein Schweigen zu erklären, wenn man es gerade dringend braucht. (@verwechslung)

Wichtig ist es die eigenen Wünsche und Hoffnungen an eben diese Möglichkeiten anzupassen, und nicht mehr von sich zu erwarten als man kann. Natürlich wäre man gerne unterhaltsamer auf einer Party, aber ist es halt nicht, und frustriert wenn man nach wenigen Gesprächsfragmente nach Hause geht. Natürlich schätzt man den Input anderer Menschen, aber wenn einem dies gleichzeitig die Energie raubt es zu verarbeiten, muss man auch mal auf Input verzichten. Und natürlich würde man manchmal gerne den Ton in einer Gruppe, einem Team angeben: und kann dies nicht auf Anhieb. Da bleibt nur es stetig, dauerhaft und leise zu bearbeiten, zu beeinflussen, und seine Meinung kenntlich zu machen. An jeder sich bietenden Stelle, an der man sich dazu in der Lage sieht. Und sind die eigenen Argumente gut, so wird es sich langsam dorthin bewegen. Man wird die Menschen mitnehmen können, langsam zwar, aber umso nachhaltiger, und sie werden vielleicht sogar eher mit dieser Richtung zufrieden sein – weil es ihnen nicht überraschend aufgedrängt wurde.

So versuche ich denn in der Zurückhaltung die Kraft zu erkennen, die Möglichkeiten und die Befriedigung, die auch für einen „Intro“ die Umsetzung eigener Ideen bringt. Es bleibt ein steter Kampf, gefochten mit sich selber. Und er kann nur besser werden.

(Ein paar Gedanken, ausgelöst vom Buch „Leise Menschen – Starke Wirkung“ von Sylvia Löhken, das mir einigen Stoff zum Nachdenken gibt, ohne darüber reden zu müssen)

Dieser Text entstand schon im Jahr 2012. Ich weiß gar nicht, warum ich ihn nie veröffentlich habe. Hier ist er nun.

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