Fluchtgedanken

Irgendwann hat man über den täglichen Trott so oft nachgedacht, dass einem schon das Nachdenken darüber langweilig erscheint. Dass einem auffällt, wie oft man schon daran gedacht hat, dass man doch irgend etwas ändern müsse, dass es so nicht ewig weitergehen könne, man doch zu noch mehr in der Lage sei, und man einfach nur mal den Mut zusammenraffen müsse, und ein paar Ideen, um das Leben auf den Kopf zu stellen, und wieder mehr Aufregung und Abenteuer hineinzubekommen. Um die eigenen Ziele zu finden und zu verfolgen. Um nicht mehr das zu tun, was andere einem sagen. Und, machen wir uns nichts vor, auch um unsere Mitbürger zu verblüffen, uns und ihnen zu beweisen, dass man eben noch nicht am Ende seiner Entwicklung ist, sondern noch voller Überraschungen steckt.
Aber dann sind da natürlich auch immer die Dinge die einen daran hindern: der Kontostand. Die Bequemlichkeit. Die Vertrautheit der täglichen Rituale. Die gewohnten Menschen, eben genau die Freiheit von Überraschungen, die ja auch eine ganz schöne Art der Freiheit sein kann. Aber man will ja eine Überraschung haben, die man kontrollieren kann, und nicht irgendwelche unliebsamen Katastrophen, die sich zwangsläufig ergeben können wenn man alles auf links dreht. Die Angst vor der Ungewissheit hält einen davon ab, die Gewissheit der eigenen Ziele wahr zu machen. Wie ironisch. Man steht sich halt doch am meisten selber im Weg.

Aber dann denkt man über all das nochmal nach, was einem überhaupt passieren kann, was sollte denn schlimmstenfalls in der heutigen Zeit danebengehen. Vorhin las ich den schönen Satz,

dass das kapitalistische System wenig Interesse daran habe, Teilnehmer völlig auszuschließen. #Spreeblick

Wäre es am Ende gar nicht so schwierig, in das System wieder hineinzukommen? Wie weit muss man sich entfernen, bevor man nicht wieder zurückkommt, nicht zurückkommen kann? Wenn man dann überhaupt wieder zurückwill?

Nähmen wir z.B. mal an, ich würde all dies hinter mir lassen wollen, den regelmässigen Job, die schöne neue Wohnung, das Auto, den Freundeskreis, die angesparte Rente und was-auch-immer ich an gesammelten Belanglosigkeiten angehäuft habe. Verbindlichkeiten, Verpflichtungen, Erwartungen würde ich dabei gleich mit wegwerfen. Nachdem ich jahrelang für eben diese Ruhe und eben auch den Stillstand gekämpft habe, nun “endlich” ein geregeltes Leben führe: wenn ich just dann einen Schnitt machte, und etwas völlig neues und anderes anfangen würde. Nur so rein hypothetisch natürlich. Den Job kündigen, die Wohnung aufgeben, alle Besitztümer zu Geld machen – der nette kleine Heimflohmarkt, wo sich alle nochmal was aussuchen dürfen, vielleicht ein paar emotionale Abschiedsworte, um eben auch den Freundeskreis erst einmal hinter mir zu lassen: und dann nur noch ein Flugticket zu erwerben, One-Way, in eine ungewisse Zukunft. Nach Argentinien. Nach Thailand. Oder vielleicht nach Neuseeland.

Was genau hielte mich davon ab?

Die Voraussetzungen sind gegeben. Sie würde mitkommen. Also sollte ich es tun. Wie, wann? Wir werden sehen.

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About Greg B.

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