Respektlos oder nur überfordert?

Ich rante ja normalerweise nicht. Aber heute muss es mal sein, denn so langsam geht mir die Spezies “Mensch” in all ihrem egomanischen Gehabe mächtig auf die Nüsse. Gelinde gesagt.

Ich habe mich mal wieder auf das Abenteuer “eBay-Kleinanzeigen” eingelassen, um vor einem Umzug noch ein paar Einrichtungsdetails sinnvoll weiterzuvermitteln – anstatt sie einfach wegzuschmeißen. Ein bißchen ist das wie die Heise-Diskussionsforen, nur in echt: man wird überrascht, zu was Menschen alles in der Lage sind. Was mich abgesehen von allen dort auftauchenden (dämlichen bis komischen) Fragen und Diskussionen aber am meisten stört, ist eine fürchterliche Unverbindlichkeit.

“Ich brauche das ganz dringend, ich schaffe es erst übermorgen, komme dann aber bestimmt!” – und ward nie wieder gehört.

“Ich komme morgen! Nein, heute schon! Ach sorry, klappt doch nicht. Also dann morgen.” – und meldet sich nicht mehr, um erst auf Nachfrage zu erklären, dass sie erst übermorgen kommt. Hoffentlich. Vielleicht. “Sie haben so ungünstige Arbeitszeiten, weil ich ja immer von 16 bis 22 Uhr arbeite, das passt halt irgendwie nicht. Könnten Sie nicht noch eher da sein?” Ähm…ja, klar.

Ähnliche Erlebnisse mit schriftlichen Bestätigungen von Maklern, Unterlagen von Banken, Rückrufen von jedweden Dienstleistern: man ist mittlerweile über jede tatsächlich eingehaltene Zusage froh!

Das ganze ließe sich beliebig fortsetzen: keiner macht Platz im Bus; man parkt so dass der Bus gar nicht erst durchkommt; Zimmerlautstärke, was ist das; Vordrängeln in der Schlange (und so tun, als hätte man den anderen nicht gesehen); noch schnell bei Rot rüber, und fast ein paar Fußgänger erwischen; bloß nicht aus dem Weg gehen, wir müssen zu viert nebeneinander gehen, usw.

Natürlich ist es immer schon ein Kampf jeder für sich selbst gewesen, aber mittlerweile scheint mir jeglicher menschliche Grundsatz abhanden gekommen zu sein – der Respekt vor dem Leben der anderen fehlt, offensichtlich nimmt jeder an, dass die anderen einen nur übervorteilen wollen. Weil man eben darauf geeicht wird, dass es nur noch ums übervorteilen geht, darum, seine Position zu sichern, zu halten, schnell durchzukommen, einen noch günstigeren Deal zu schießen, ist doch egal, ob jemand anderes dabei gelinkt wird. Es gibt keine Ausgewogenheit mehr in den Handlungen, jeder hat ständig Angst dass ihm unfair mitgespielt wird, und handelt am Ende selber unfair. Ein wunderbares Schneeballsystem, bei dem am Ende alle mitspielen. Außer ein paar schwache Geister, oder Unbelehrbare, die bei dem ganzen entweder nicht mitspielen können oder wollen.

Ich muss mich immer wieder dazu zwingen, an der ein oder anderen Stelle dann mal auf meine Rechte zu pochen, manchmal habe ich das Gefühl, mein Gegenüber ist einfach nur zu faul…oder selber überfordert…manchmal fühle ich mich aber tatsächlich ebenfalls verarscht. Aber ich merke, wie ich härter werde, mehr dagegenhalte, weil die Gesellschaft mir vermittelt, dass ich nur mit Härte überhaupt ein Stück vom Kuchen kriege, man mir sonst von meinem kleinen Stück nur dauernd noch mehr wegnehmen würde. Ich merke, wie ich allmählich das Spiel mitspiele, böse Briefe schreibe, unschuldige Call-Center-Mitarbeiter anschnauze, mich etwas fester durch die Menge drücke, um noch einen Platz zu ergattern. Und das gefällt mir nicht. Weil ich nicht glaube, dass Menschheit, Menschlichkeit! so funktioniert. Sondern dass sie sich somit Stück für Stück zugrunde richtet. Wir sind auf dem besten Weg.

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About Greg B.

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