Macht / Geld / Macht / Nichts

Man sollte dankbar sein für einen Chef, der sich Gedanken macht. Mein letzter hat dies nämlich ziemlich genau gar nicht getan – außer über Geld, natürlich. Ein albernes Klischee, aber wahr.

Nicht dass es an der Erkenntnis gemangelt hätte, dass Gedanken vielleicht nötig seien: genug Bücher lagen in seinem Büro herum. Sehr grundsätzliche Sachen, á la “Marketing für Dummies” oder “Grundzüge der BWL” oder so. Ein Hauch Methodik. Doch die Bücher staubten ein, wurden nie bewegt, nie gelesen. Und entsprechend flach war das Verständnis vom “Chef” über das, was in seinem Betrieb so passierte und, insbesondere, was mit seinen Angestellten passierte. Dass dies nämlich komplexe menschliche Wesen waren, die natürlich dem ein oder anderen gruppendynamischen Mechanismus folgten, aber auch individuell zu berücksichtigen waren – wollte man denn, so unterstelle ich es mal, überhaupt erreichen dass sie “Leistung” erbringen. Psychologie halt, Menschenführung und lauter so ein BWL-blah.

Nun bin ich von den meisten wirtschaftspsychologischen Ideen alles andere als angetan. Häufig dienen diese nur vordergründig dem Wohl der Mitarbeiter, und am Ende der Kette geht es dann doch nur um Profit, der Mensch ist tatsächlich doch egal. Aber es ist dennoch ein gewaltiger Gewinn, wenn der Mensch der dir jeden Monat eine nicht unerhebliche Menge Geld überweist, sich Gedanken darüber macht, wie man als Menschen miteinander umgeht, was einen motiviert, wonach man strebt, oder was man eben nicht so toll finden könnte. Und an so einen scheine ich nun, zum Glück, geraten zu sein, wie sich bei folgender Auseinandersetzung zeigte.

Wie funktionieren “Teams”?

Dieses überstrapazierte Schlagwort für alles rund ums Business. Was treibt sie, wie kann man sie beeinflussen? Eine kleine Diskussion entspann sich, wie sollte es auch anders sein, natürlich war ich anderer Meinung als mein Brötchengeber. In meiner grenzenlosen Naivität, aber auch in meiner Hoffnung und meinem Optimismus.

Wer ist das “Alpha”-Tier in einem menschlichen Rudel? Und wie kommt er/sie dort hin? Und vor allem: warum? Die (einleuchtende) Theorie war: wer Alpha-Tier werden will, wer sich um Leitungspositionen bemüht, ist immer von der Such(t)e nach Macht getrieben. Von dem Ziel, andere und anderes steuern, beeinflussen und nach seinen Ideen entwickeln zu können. Und ultimativ für seinen eigenen Vorteil zu arbeiten, mehr Geld, mehr Prestige, mehr Sex. (Ok, vielleicht nicht unbedingt letzteres)

Andererseits stellt eine Extremposition der Macht die Fähigkeit dar, einseitig definierte Ziele zu erreichen, ohne sich selbst äußeren Ansprüchen gegenüber involvierten Personen zu unterwerfen oder diesen entgegenkommen zu müssen.

(Wikipedia)

Und ich glaube daran einfach nicht. Ich glaube dass es auch eine andere Motivation gibt, um zu “höherem” aufzusteigen, dass es Menschen gibt die nicht nur nach “Macht” streben, sondern denen es um eine bestimmte Sache geht, die nicht mit Geld zu tun hat. Die etwas erreichen wollen was ihnen, außer vielleicht einem guten Gefühl, keinen persönlichen Gewinn einbringt. Und die eben deshalb zu einem Führer, einer Führungsfigur werden: weil sie von etwas überzeugt sind, das sie für gut erachten. Und ich konnte dafür keine Beispiele nennen, außer eines. Und nun denke ich darüber nach, und hoffe meine eigene Führung nie der Suche nach Macht zu unterwerfen, sondern immer an meine eine Inspirationsquelle zu denken:

Todo para todos, nada para nosotros!

(“Alles für alle, nichts für uns!”,
Ejército Zapatista de Liberación Nacional, EZLN)
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About Greg B.

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