Latürnich!

Natürlich bin ich tolerant. Unbedingt. Warum sollte ich es auch nicht sein? Die Logik (ich will gar nicht selbstgefällig von Intelligenz schreiben) gebietet es: wenn du willst dass man deine Meinungen und deine Entscheidungen und deine Art zu leben nicht verdammt oder für falsch erklärt, dann musst du das selbe Verhalten auch gegenüber anderen an den Tag legen. Alles was nur mich etwas angeht, oder andere mit deren Einverständnis betrifft, solltemuss für Dritte egal, hingenommen, toleriert sein. Aber doch macht man sich irgendwann Gedanken bis wohin diese Toleranz gehen muss. Seit 20 Jahren geistert mir dieses Wort durch den Kopf, das ich zunehmend treffend finde:

Ich muss das tolerieren, ich kann das aber nicht akzeptieren.

Denn ja, natürlich kann ich niemandem etwas verbieten, und würde davon auch unbedingt absehen – Dogmen und Vorschriften die menschliche Freiheiten einzuschränken sind grundsätzlich erstmal falsch, dienen sie doch lediglich dazu die Meinung einiger weniger den vielen aufzuzwingen. Womit automatisch die meisten Menschen ausgeschlossen sind, und die einigen wenigen profitieren: ein faules Konstrukt, das nur dem Niedergang sozialen Verhaltens dienlich ist.

Und irgendwann entscheidet man sich einmal, gelangt zu einer Überzeugung, dass die eigene Meinung wegen ihrer Tragweite die richtige ist, weil sie konform mit der eigenen Idee von Menschlichkeit, sozialem Verhalten und nicht zuletzt der Moral geht. Und so habe ich mich, entgegen aller Toleranz-Überlegungen, irgendwann entschieden, dass SUV-Fahrer auf lange Sicht hin egoistisch, inhuman, unlogisch und destruktiv handeln. Natürlich, das Sicherheitsgefühl, der Platz, die Entspanntheit des Fahrens, die persönliche Freiheit sein Fortbewegungsmittel auswählen zu dürfen: all das mag seine Berechtigung haben. Aber sie ist zu klein gedacht. Eine kleine, bedauerliche, kurzfristige Sicht auf die Welt und wie sie tickt, steckt dahinter, die Hybris (ich wollte dieses Wort immer schon einmal benutzen, endlich!) des Menschen, sich die Erde Untertan machen zu können und zu dürfen. Der Anspruch, die eigenen Wünsche über alles andere stellen zu dürfen. Aber jede Einstellung, zu dürfen was geht, ist eine Überheblichkeit die ein einzelner Mensch nicht einschätzen kann, ist eine Vorausnahme von Umständen, ein Leben auf das Konto der Zukunft, ignorieren dessen was kommt für die Bequemlichkeit dessen was ist, das fressen durch die Vorratskammer, ohne zu wissen wie groß diese sein mag. Es ist schlicht eine Anmaßung, von sich zu behaupten man könne dies beurteilen und vertreten.

Und so bin ich zu dem Schluß gekommen, dass eine derartig übertriebene Ressourcennutzung, jedweder Art, schlicht und innig falsch und unmoralisch ist. Und ich am Ende des Tages, ja, euch SUV-Fahrer zutiefst verachte, und ihr in meinen Augen nie gute Menschen sein könnt. Latürnich.

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About Greg B.

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