Überübermich.

Es gibt da diese Texte, von mir fremden Menschen, die einfach nur Dinge von sich erzählen, auflisten. Verblüffendes, entlarvendes, amüsantes, trauriges, nachdenkliches: ein Bild von einem Menschen malend, mit vielen Farben und Strukturen, Facetten, aber (natürlich) nicht alles – die Selbstwahrnehmung, die so fragmentarisch sein kann, in anteilige Worte fassend und den Leser mit einem Haufen Ideen und Vorstellungen zurücklassend. So etwas wollte ich auch schreiben. Also tat ich es. Auch wenn ich nicht weiß wozu.

Ich überrasche mich manchmal selber. Nein, genau genommen tue ich mitunter Dinge die mich überraschen. Etwas was ich noch nie getan habe, vor dem ich Angst hatte, oder wozu es nie eine Gelegenheit gab, und plötzlich tue ich es. Ich mache manche Dinge gern, die andere Menschen für abenteuerlich oder unbequem halten würden. Ich ignoriere das Wetter und laufe bei -10 °C oder bin bei strömendem Regen auf dem Wasser, es kann völlig egal sein: wenn ich darauf eingestellt bin. Oder ich reise quer um die Welt um mir ein paar Konzerte anzusehen.

Wenn ich auf ein Thema vorbereitet bin habe ich kein großes Problem mich vor eine Menschenmenge zu stellen und ihr darüber etwas zu erzählen. Muss ich mich mit 3 Menschen unterhalten habe ich ein Problem. Ich habe keine Angst meine politische Meinung kundzutun, aber ich fürchte mich bei allen anderen Themen und belanglosen Gesprächen mitzureden. Ich muss von einem Thema etwas verstehen und eine Meinung dazu haben, aber ich brauche eine Zeit bevor ich mich irgendwo einmische. Wut hilft mir mich einzumischen. Wut lässt mich auch unüberlegte Dinge sagen, obwohl ich mir immer vornehme keine unüberlegten Dinge zu sagen. Das passiert auch oft wenn ich das Gefühl habe ich müsste etwas sagen, und doch lieber nichts sagen sollte. Häufiger als nicht kommt dabei Mist raus.

Ich spreche nicht gerne über mich, oder meine Vergangenheit, oder meine Ängste. Selbst nicht mit engen Freunden. Ich warte dauernd auf Gelegenheiten, und verpasse sie dann, weil ich doch wieder zögere. Ich bin mir meiner Sache nie sicher. Selbst wenn ich weiß dass es das richtige ist, tue ich es eher nicht als es wirklich zu tun. Ich denke manchmal dass ich mich nicht mag, und mir deswegen gutes verweigere.

Ich mag kein Bier. Ich mag Wein nur ein bisschen, würde ihn aber gerne lieber mögen. Zwiebeln finde ich widerlich, und es hat 30 Jahre oder so gedauert bis ich dahinter kam einfach einen Flammkuchen ohne Zwiebeln zu bestellen, um endlich einen zu essen. Er war sehr lecker, aber ich glaube nicht dass ich daraus dauerhaft etwas gelernt habe. Ich mag es nicht dem Kellner einen Sonderwunsch zu erklären, und laufe lieber Gefahr ein Essen zu bekommen das ich nicht mag.

Ich weiß dass mir mehr zufallen würde wenn ich es nur versuchen würde. Ich weiß dass nichts von allein kommt, und warte doch auf viele Dinge. Und ärgere mich wenn sie nicht passieren. Ich mag Nutella, habe sie mir aber abgewöhnt. Ich habe panische Angst dick zu werden, und bin dankbar die Droge Laufen gefunden zu haben. Kann ich nicht laufen, geht es mir nicht gut. Anderer Sport ist nur Ergänzungswerk, nur laufen hilft wirklich. Es ist das bisher einzige nicht-chemische Mittel das den schwarzen Hund fern hält.
Ich hasse es Menschen anzurufen. Weil ich panische Angst davor habe. Warum weiß ich nicht. Berufliche Anrufe, mit einem festen Anliegen, gehen einigermaßen. Ich habe ein schlechtes Verhältnis zu Banken, dem Finanzamt, Verwaltungskram im allgemeinen, und versuche das alles zu ignorieren. Ich halte gerne viele Gedanken schriftlich fest, und lese sie später nochmal nach. Manchmal denke ich mir dann dass es ein guter Gedanke war, manchmal auch dass es einfach nur Schwachsinn war.

Ich weiß morgens nie wie der Abend wird, auch wenn ich darüber nachdenke oder es plane. Ich plane vieles im Voraus im Kopf durch, nur um mit anzusehen wie es völlig anders läuft. Ich habe ein Riesenrepertoire an „Wohlfühl“-Tools, und setze sie nicht ein. Ich lese gerne, und tue es aus Faulheit nicht. Das Internet lähmt mich, es ruiniert meine Konzentration weil man sich dafür nicht konzentrieren muss. Fragmente sind mein Tiefgang. Geld ist mir zwar wichtig, aber ich gebe es doch schnell aus, auch wenn ich es nicht immer habe. Wird schon irgendwie hinkommen. Meine Altersvorsorge macht mir manchmal Sorgen, aber sie steht auf dem Blatt mit dem Verwaltungskram.

In vielen Dingen bin ich erwachsen und besonnen, in vielen Dingen albern und unvernünftig. Ich freue mich immer noch über Dinge die ich als Kind nicht hätte machen können, z.B. morgens um 5 nach Hause kommen (was nur noch selten passiert), FSK-18 Filme sehen zu können oder einfach wegfahren können. Was ich gerne tue, um dann doch nur in Berlin zu landen, und immer öfter festzustellen dass Hamburg mir mehr liegt.

Ich möchte gerne mehr schreiben, und tue es zu selten. Ich weiß, irgendwie, dass ich das ein bisschen kann, aber bin am Ende des Tages (wörtlich und im übertragenen Sinn) doch zu faul dafür. Ich brauche ein Ziel und einen Inhalt, dann schreibt es sich von selber. Ich mag verzweigte, ausschweifende Sätze, und liebe es wenn diese am Ende genau den Sinn machen den sie haben sollen. Nicht immer gelingt mir das. Leider mag ich solche Sätze auch beim reden, weshalb es manchmal etwas länger dauert bis ich ihn herausgebracht habe. Ich muss dabei immer an Ross von Friends denken. Ich wiederhole mich ungern, und mag Wörter nicht mehrfach kurz hintereinander benutzen, außer es lässt sich nicht vermeiden. So ziemlich jedes Wort, insbesondere wenn es ein wenig unpassend scheint, ist genau überlegt und steht dort mit Absicht. Aber halt nicht jedes Wort.

Ich habe ständig zu große Pläne, und bin deprimiert wenn ich sie nicht umzusetzen vermag. Ich kann Bekanntschaften und Freundschaften nicht pflegen. Wenn wir uns das zweite oder fünfte Mal sehen, kann es sein dass ich den Eindruck erwecke als würden wir uns nicht kennen. Wenn du mich besonders verletzt oder enttäuscht kann es sein dass ich nie wieder mit dir rede. Ich überblicke viele Situationen schneller als die meisten umstehenden, und sehe früher als die meisten wer da ist oder ankommt. Aber es bringt mir nichts, denn ich werde nie derjenige sein der auf diese Menschen zugeht. Ich habe Angst Menschen zu stören oder zu nerven, und so lasse ich Kontakte abreißen. Wohl niemand weiß dass ich gerne angesprochen werde (von mir bekannten Menschen auf jeden Fall), aber ich nicht ansprechen mag oder kann; ein Gespräch zu beginnen ist für mich die größte Herausforderung von allen. Manchmal ist diese Blockade zutiefst frustrierend. Manchmal kann ich damit leben. Immer ist sie ein Problem, irgendwie.

Ich kenne mich mit Computern aus, und mache viel mit Bildschirmen. Mehr als mir lieb ist. Für einen echten Nerd bin ich zu viel draußen. Es hinterlässt ein Gefühl der Zwiegespaltenheit. Ich weiß nicht wirklich wo ich zu Hause bin. Ich mag von beiden Welten etwas, und doch in keiner ganz enthalten zu sein.
Ich mag Sushi, Spaghetti Carbonara und gebratene Ente, auch wenn ich es kaum esse. Ich meide Kohlenhydrate, und ich liebe Quark. Ich mag White Russian sehr, andere Cocktails manchmal. Alkohol trinke ich selten, weil es Schmerzen und Reue verursacht die er kaum je wert ist. Zudem fühlt sich der Körper am nächsten Tag missbraucht an, ein selbst erwähltes und ausgelöstes Unwohlsein. Ich bin kein Genießer, ich muss gezielt darauf achten wo mir etwas gut tut. Achtsamkeit ist mir bekannt, aber stets vernachlässigt. Genau wie Meditation, Kino, aufräumen, die Wohnung einrichten.

Ich finde fremde Wohnungen immer schöner als meine und bin neidisch auf sie. Ich bin eifersüchtig auf jedes Pärchen, egal wie viel sie streiten oder offensichtlich nicht zusammenpassen. Ich frage mich wie Menschen zueinander finden, und wieso mir das nicht gelingen mag. Ich will nicht Single bleiben. Nein, ich will und wollte NIE Single sein. Ich bin unfähig das zu kommunizieren. Ich weiß dass ich schnell zu viel will, und zu lang zu wenig, und damit Menschen vertreibe. Signale senden ist nicht meine Stärke. Ich bin süchtig nach körperlicher Berührung, aber zu ängstlich sie zu zeigen.

Ich bin manchmal Kulturpessimist, finde aber auch dass heutzutage großartige Dinge geschaffen werden. Ich würde gerne auch großartige Dinge tun, bin aber zu faul dazu. Vielleicht auch zu unfähig. Ich weiß nicht wo meine Talente wirklich liegen, und tue mich daher schwer damit eine Linie zu verfolgen, mich auf ein Thema festzulegen. Wenn mir Menschen 1, 2 oder 3 mal nicht antworten, denke ich sie wollen nichts mehr mit mit zu tun haben. Ich suche die Schuld immer bei mir, nie bei den anderen. Obwohl ich daran arbeite das differenzierter und objektiver zu sehen. Ich weiß nicht ob ich ein Nerd bin oder nicht, möchte aber eigentlich keiner sein.

Ich kann in einer Menschenmenge stehen und einsam sein. Und lasse mir dabei meine Energie entreißen. Mittlerweile weiß ich dass ich wohl ein „Introvertierter“ bin, kann aus dieser Kenntnis jedoch noch keine Vorteile ziehen. Weiß aber gleichzeitig nicht ob ich unbedingt aus allem Vorteile ziehen muss oder will, denn das halte ich für einen Grund für den schlechten Zustand unserer Welt. Die ich gerne noch verbessern will.

Ich gebe mich lieber schriftlich preis, wie hier z.B., auch wenn das etwas endgültiges hat. Aber ich verändere mich ständig ein bisschen, so wie es jeder Mensch tun sollte der nicht quasi-tot ist. Ich habe meine Vorurteile, und ich pflege sie. Ich halte mich für offen, bin aber in vielen Dingen spießig. Ich kann ein Betriebssystem installieren, ein Buch in InDesign layouten oder ein Blog einrichten. Ich kann ein 180PS-Schlauchboot über die Ostsee fahren oder einen 40-Tonner durch kleine holländische Dörfer manövrieren. Ich kann löten und eine Bohrmaschine benutzen, aber ich kann nicht richtig putzen, und beim Einkauf nützt auch eine Liste kaum etwas. Ich kann Hemden bügeln, aber beim Auto höchstens Öl nachfüllen. Ich kann spontan quer durch Amerika fahren, aber ich kann nicht jemanden nach dem Weg fragen.

Ich werde nervös wenn jemand beim reden nicht auf den Punkt kommt. Rechtschreibfehler und falsche Grammatik können mich wuschig machen. Ich schlafe auf der Seite, und ich weiß wenn ich schlecht schlafe wo ich nach den Gründen zu suchen habe.
Die Fremdheit der Fremde beunruhigt mich nicht, die Fremdheit des Bekannten macht mir Angst.

Ja, so oder so ähnlich bin ich wohl. Doch ich arbeite dran.

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About Greg B.

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