Von Dämonen

Es gibt diese Wörter die eine unbestimmte Faszination haben. Deren Bedeutung nicht ganz klar ist, und die dennoch so viel bewirken können. Dämonen ist für mich eines davon. Ein unbestimmtes Gefühl des Unbehagens, was könnte es bedeuten, was sind meine Dämonen?

Sie tauchen überraschend auf, manchmal als vorbeihuschende Erscheinung, oft als eine Erinnerung direkt vor mir, erschreckend deutlich und intensiv und echt. Ein Bild, ein Geruch, ein Geräusch. Musik kann mit so vielen Dämonen belegt sein, und vor allem sind es natürlich Menschen. Sie erinnern an etwas das einmal war, womit ich gelebt habe oder was mir verhasst war. Sie bringen zutage was ich geliebt habe, und was verloren gegangen ist, zeigen mir noch einmal was hätte sein können. Sie wecken meine Gefühle für etwas längst vergessen gehofftes auf, machen die Vergangenheit, für einen kurzen Moment, noch einmal zur Wirklichkeit. Um schnell wieder zu verschwinden. Sie sind unwirklich, doch all zu real, sie lauern dort wo man sie nicht vermutet, kommen zu den unpassendsten Momenten. Und hinterlassen Chaos, Gefühle überschlagen sich, man ist darauf nicht vorbereitet, und so heißt es schnell seine alten Bewältigungsstrategien parat haben.

Ich weiß um einige meiner Dämonen. Vielen sind mir erst bei meiner ersten Begegnung mit ihnen bewusst geworden. Wie wir mit diesen Dämonen umzugehen verstehen, auch das macht uns als Menschen aus, und ist so entscheidend für unsere Lebensqualität. Je weniger du hast, je weniger sie dich aus der Bahn werfen können, desto weniger Macht haben sie über dich. Sie sind ein Hirngespinst, die Objektwerdung von Ängsten und Altlasten.

„Ein Gott der nicht genannt werden will, und dadurch die Macht über dich hat.”

Bekommen sie ihre Macht dadurch dass ich sie nicht ausspreche? Oft habe ich dieses Gefühl, denn die meisten meiner Dämonen behalte ich für mich. Kaum jemand dem ich davon erzähle, darüber reden scheint, instinktiv, zu schmerzhaft zu sein: denn dann kämen sie wieder empor! Aber vielleicht macht es Sinn ihren Namen auszusprechen, sie mit anderen Menschen zu besprechen, und sofort verlieren sie ein wenig ihrer Wirkung, ihrer Macht. Sie scheuen das Licht und die Bekanntheit. Denn dann erscheinen sie als das was sie sind: albern.

Man muss nur vorsichtig sein, sich dabei keine neuen zuzulegen. Wie bei der Hydra wachsen einem unsachgemäss beseitigten Dämon gerne 2 oder 3 neue nach. Du verletzt womöglich jemanden, sagst ein falsches Wort, hast einen Willen der nichts gutes vermag. Und schon hast du einen neuen Dämon. Ich bin vorsichtig dabei, häufig zu vorsichtig, aber optimistisch irgendwann alle benannt und entmachtet zu haben, mich nicht mehr vor ihnen fürchten und von ihnen dominieren lassen zu müssen. Vergangenheitsbewältigung nennt man das wohl. Und dann sind Dämonen auch nur noch ein ganz normales, unscheinbares, albernes Wort.

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About Greg B.

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