Zeig’ mir den Weg.

Eine wohlmeinende Person sagt mir immer wieder: die Angst zeigt den Weg. Gestern hat sie es mir aufgemalt, ich habe es in mein Notizbuch aufgenommen:

angstzeigtweg

Es ist einer der am schwierigsten zu verinnerlichenden Ratschläge, und ein Bild hilft mitunter beim einprägen. Hat man keine Angst, so ist dieses Bild egal. Hat man Angst, dann vergisst man im Moment des Angst-habens alle Ratschläge die man jemals dazu bekommen hat. Vielleicht hilft das Bild.

Am gemeinsten scheinen dabei die Ängste, die andere Menschen offensichtlich gar nicht haben. Ja, Höhenangst, Angst vor Spinnen oder Schlangen, oder Angst vor Arbeitslosigkeit: sie sind populär und anerkannt, werden oft diskutiert und manchmal sogar öffentlich gezeigt. Damit kann man sich arrangieren, ein Kampf dagegen scheint ehrenwert, nicht weniger ehrenwert auch wenn man einfach damit lebt. Wie so viele andere Menschen.

Doch dann gibt es da diese Ängste über die keiner reden mag: Angst vor Menschenansammlungen (>3 Menschen, incl. man selbst). Angst vor spontanen Gesprächen. Angst vor zu viel Nähe. Angst vor dem Alleinsein. Jeder weiß dass es das gibt, doch keiner will diese Angst haben. Vielleicht kennt man jemanden der irgendwie eventuell so drauf sein könnte. Aber nein, wirklich etwas zu tun hat man damit nicht. Das ist nicht stark, es ist nicht gesellschaftskonform. Man hat dort keine Angst zu haben. Und doch, mehr Menschen als man denkt wissen genau was gemeint ist, weil sie es auch kennen.

Im rein psychologischen Sinne mag es sich gar nicht immer um Angst handeln, sind die Symptome nicht ausreichend ausgeprägt. Keine Schweißausbrüche, keine zitternden Hände, ein wenig erhöhter Puls vielleicht, keine brüchige Stimme. Man kommt damit zurecht, und “steht seinen Mann”. Auch als Frau übrigens, gefälligst. Ein kleiner Smalltalk tut doch keinem weh! Eine Berührung eines Menschen ist doch etwas schönes! Ab und zu allein sein ist ja wohl sehr erstrebenswert!

Und doch sind genau das manchmal die schrecklichsten Dinge die man tun muss. Schlimmer als ein Kampf mit einem T.Rex, oder 4% Akkustatus fern jeder Steckdose. Und statt dem aus dem Weg zu gehen, soll man nun genau dorthin gehen. Denn das ist der Weg. Dort ist die Angst, dort musst du hin um sie irgendwann zu überwinden! Es wird nicht gleich sein, vielleicht erst beim 5ten, 23ten oder 1728ten Mal. Aber es wird passieren. Ich bin mir fast sicher.

Ich werde das demnächst wieder ausprobieren. Und werde mir dabei vorstellen was schlimmstenfalls passieren kann. Ich könnte Unsinn reden, rot anlaufen, und dann verabschiede ich mich sofort. Der berührte Mensch könnte eine Ohrfeige geben (nicht tödlich!). Beim Alleinsein könnte ich Selbstgespräche führen, und nackt den Kopf in einem Haufen Kinder Pingui vergraben. Alles nicht so schlimm. Das Bild vorstellen, den Ratschlag visualisieren. Augen zu und durch. Hier ist die Angst, dort ist der Weg. Am Ende wartet das Erwartete, oder eben etwas besseres. Los geht es!

fuckindoit

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About Greg B.

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2 responses to “Zeig’ mir den Weg.”

  1. Hansi says :

    Vielleicht gibt es jemanden, der oder die dich begleiten und dir helfen kann? Nicht durch Ratschläge oder Naseweisheit, sondern einfach durch Anwesenheit, quasi als menschliches Fallback?

    • Greg B. says :

      Es ist natürlich immer empfehlenswert, jemanden als Rückhalt zu haben. Allerdings ist das häufig im entscheidenden Moment gar nicht möglich, sondern kann vielmehr erst später, nachdem schon alles vorbei ist, in Anspruch genommen werden. Trotzdem, oder gerade deswegen, muss man eben die Angst einfach in den Wind schlagen, und ihr tief ins Auge sehen…

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