Maske auf, Schnauze halten

An manchem Tag ist sie die einzige Möglichkeit am Ende heil herauszukommen: die Maske, die wohl jeder kennt, in irgendeiner Form. Um Widerständen aus dem Weg zu gehen, ist es sowieso die einfachste Methode, sie vorzugeben und vorzuhalten, als Grund, als Erklärung, auch als Vorwand. Montags, so scheint es, ist sie noch einmal besonders geformt. Denn neben all den normalen Sorgen und Gedanken und dem tobenden Irrsinn im Inneren, die man versucht seinen Mitmenschen vorzuenthalten, kommt all das Verrückte und Bewegende und Erlebte von zwei Tagen Auszeit dazu. Denn ja, man ist natürlich ein Sklave der Gesellschaft, arbeitet 5 Tage, und tut dann 48-60 Stunden nur das nach dem es einem eigentlich verlangt. Erhöhter Alkoholkonsum, durchgemachte Nächte, Abenteuer „Outdoor“, Shopping, Flohmärkte, oder auch gar nichts tun, darunter leiden, oder nur auf andere Menschen treffen, was einem modernen Menschen in Mitteleuropa nun mal zur Verfügung steht. Eine breite Palette, rundum geeignet Spuren zu hinterlassen. Emotionale, körperliche, seelische, positive und negative: das breite Grinsen, das endlose Betrübt Sein, das man den Montags-Zeitgenossen höchstens abgemindert zumuten will. Man ist ja „professionell“.

Eine weitere schlaflose Nacht kam dieses Mal dazu, eine Mischung aus Jet-Lag, seelischer Unruhe, Verwirrung und Selbstbeschuldigungen. Rastlos in den Schlaf gewälzt, um mitten in der Nacht plötzlich hellwach zu sein. Die Gedanken dröhnen und kreisen, die Gefühle spielen dazwischen Gummitwist. So viel so schwer zu interpretierendes das seit Freitag abend passiert ist. Wie soll man all das auch verarbeiten? Die Nacht reicht hierfür nicht aus. Hellwach. Ein wenig Internet, ein wenig Big Bang Theory, ein wenig Gedankenkreisen, dann im Bett kreisen, endlich wieder (ein wenig) Schlaf. Nicht traumlos, selbstverständlich. Alle Monströsitäten noch einmal kryptisch aufgereiht und durchexerziert, um am Ende doch wieder am Anfang zu stehen: hellwach. Schlaflos. Hochgeschreckt, Küche, Bad, neuer Versuch, das selbe Ergebnis. So ziehen sich die Stunden, bis man irgendwann doch irgendwie einschläft, um 10 Minuten vor dem Wecker ein letztes Mal hochzuschrecken. Ein schrecklicher Traum, ich habe verschlafen! – und wache auf um mich zu fühlen als hätte ich nie geschlafen. Snooze bis zum bitteren Ende, ich schaffe es knapp pünktlich zurück in das normale Leben, es bleibt noch Zeit die Maske aufzusetzen. Am Rechner, beim Reden, beim Arbeiten, sie wirkt. Alles ist wieder normal. Wie normal, das wird sich in der nächsten Nacht zeigen. Und am nächsten Wochenende.

Was für ein heiteres Karussell.

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About Greg B.

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