Klugscheißerei über Depressionen

Auch ich will mal etwas über Depressionen schreiben. Macht doch gerade jeder. Zwar könne angeblich das allgemeine Klugscheißen die Betroffenen davon abhalten damit offener umzugehen, aber das sehe ich nicht so. Jeden öffentlichen Beitrag, jede Auseinandersetzung mit dem Thema, jeden Versuch der Greifbar-Machung empfinde ich als hilfreich dieses Gespenst, das es immer noch ist, ins Tageslicht zu rücken, das Verständnis dafür weiter überhaupt zu schärfen, und den Betroffenen damit vielleicht irgendwann das entscheidende Gefühl zu geben „Ok, hier sind Menschen die mich und das evtl. verstehen, vielleicht kann man darüber doch reden.“ Dass dabei immer wieder einige als Klugscheißer wahrgenommen werden, liegt eben auch an dieser Ungreifbarkeit, dem mysteriösen das der Depression immer noch in der Gesellschaft anhängt. Deswegen also weniger darüber reden/schreiben? Nein.

Aber ich will mich gar nicht groß darüber auslassen, sondern nur ein kleines bißchen, über die so weit verbreitete Annahme, dass doch alles am persönlichen Willen hängt. Die (womöglich gut gemeinten – ich wage es kaum anzunehmen!) Relativierungen eines „gelungenen“ Selbstmords, dass derjenige es so wollte und es daher gut sei, waren kürzlich ein unsäglicher Höhepunkt dieser verqueren Wahrnehmung der menschlichen Psyche, und sie zeigen gleichzeitig das grundlegende Verständis-Dilemma: denn bei einer Depression ist nichts gewollt. Gerade der Umgang damit ist nicht gewollt, sondern ein MUSS, er muss mit Hilfe von außen erlernt und angeeignet werden. Man ist eben nicht mehr Herr seines Willens. Wenn man es überhaupt jemals ist. Von selber kann man mit einer Depression nicht umgehen. Ein Selbstmord ist dabei insbesondere eben genau kein Umgang: es ist eine Kapitulation, ein Ergeben vor den Umständen die man nicht mehr ertragen kann – es ist kein eigener Wille.

Die Gesellschaft predigt, der Mensch könne alles, wenn er es nur will. Und mit Erfolg, so dass wir mittlerweile selber daran glauben, und alles was nicht aus eigenem Willen geschieht als „Gefühlsduselei“ oder Irrationales oder ähnliches abtun. Der Mensch kann vieles, weil er will. Aber der Mensch ist nicht sein Wille, er ist wesentlich mehr. Jeder Mensch mit seinen eigenen, seltsamen, selten begreifbaren Emotionen, sollte das verstehen und fühlen.

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About Greg B.

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