intro…what?

Eine Blogadresse ist immer auch eine Visitenkarte, entsteht wohl selten durch Zufall. Schließlich muss man es, optimalerweise, eine ganze Weile damit aushalten. Warum also Intro…

Vielleicht musste einfach nur ein Aufhänger her. Über die Jahre haben sich bei mir so viele Ideen & Erklärungsversuche gesammelt, wo das nach Innen gekehrte, die Schwierigkeit mit Menschen umzugehen, das zurückgezogene, oder manchmal schlicht misanthrope Verhalten und Empfinden herrühren. Keine war bisher wirklich befriedigend oder nachhaltig oder hat irgendetwas erklärt. Wahrscheinlich muss derlei auch gar nicht ganz zu Ende geklärt werden, aber wenn man zum 100ten Mal den Kontakt zu einem eigentlich geschätzten Menschen verloren hat, aus Gründen die einem nicht wirklich bewusst sind, wird es doch zu einem Thema. Woher, warum, was soll das. Schön ist das nämlich nicht.

Und somit, nach mal mehr, mal weniger fundiert anwendbaren Theorien & Selbst-Diagnosen wie „Asperger-Syndrom“, der „knackigen Depression“, der schnöden „Misanthropie“, oder dem eher pathologischen „Chronisches Müdigkeits-Syndrom“, sowie natürlich schlicht sozialer Inkompetenz, kommt aktuell der neueste Erklärversuch, der „Intro“. Sprich: auf dem Spektrum zwischen Intro- und Extrovertiertheit recht weit zum „I“ geraten zu sein. Es gibt auch gleich so viele schöne Tests die einem dies bestätigen können (es sei z.B. der Meyer-Briggs-Test als Anfang empfohlen). Ich persönlich lande relativ konstant bei INTP.

Wichtige Merkmale eines Introvertierten sind dass man Energie aus dem Allein-sein zieht, menschliche Kontakte mehr Energie kosten als spenden (insbesondere im Gegensatz zum Extrovertierten, die eben gerade aus dem Kontakt ihre Energie ziehen), dass man viel nachdenkt und “im stillen Kämmerlein” tätig ist, und generell kein Laut-sprecher ist – somit in einer Welt die von Alpha-Tierchen und Lautrednern dominiert und geprägt wird, eventuell ein kleines Problem hat gehört zu werden und sich durchzusetzen.

So leicht ist es deshalb, sich nicht dazu Gedanken zu machen wie man sich durchsetzen kann, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden und daran teilzuhaben (und sie womöglich mit zu gestalten), sondern den Rückzug zu wählen, sich mit der Menschenlosigkeit zu arrangieren, und einen Platz im Niemandsland zu einzunehmen. Zurückgezogenheit hat jedoch ein folgenschweres Problem: sie füttert sich selber. Geht man ihr nach, reißen erste Kontakte ab und das (soziale) Umfeld weicht auf. So dass es um so mehr Energie kostet, dieses alles wieder zurückzugewinnen. Und ehe man es sich versieht, ist man in einem Teufelskreis, und irgendwann an einem Punkt angelangt wo das Alleinsein an sich schon Energie kostet. Und ja, man mag es heutzutage kaum schreiben, das könnte womöglich zu Depressionen führen!einself!!! Und damit hat man dann gleich nochmal eine Reihe anderer Probleme.

Es kann natürlich immer nur ein Teil meines Verhaltens mit „Intro“ beschrieben sein, aber es leuchtet zumindest an vielen Stellen ein. Und es ist so eine schöne Erklärung, warum man lieber nicht zu dieser Party geht, oder aus dieser fröhlich-schnatternden Gruppe Menschen eben keinen Gewinn zieht, weil man selber nicht zu Wort kommt. Oder warum es so viel Überwindung kostet den ein oder anderen Kontakt aufrecht zu erhalten. Mit Sicherheit sind da noch mehr Erklärungen, aber als Namensgeber reicht es alle mal, denn es beschreibt wahrscheinlich am besten das Bild wie ich mich selber von aussen wahrgenommen fühle. In Kombination mit dem “terrestrial” (natürlich angelehnt an E.T., den „Extraterrestrial“) unterstreicht er noch einmal das Gefühl dass ich mir manchmal wie ein Fremdling hier auf der Erde vorkomme, im heutigen System und der heutigen Gesellschaft – weil ich so vieles nicht verstehe, nicht damit umgehen kann, es mir lebens-feindlich erscheint, und ich mich, ebenso wie E.T., von ihr bedroht fühle.

So viel also dazu.

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