Eine (männliche) Stimme zum #Aufschrei

Seit ca. 3 Tagen wird (das deutsche) Twitter nun schon vom #aufschrei dominiert. Was dort ja schon fast ein Zeitraum geologischen Ausmaßes ist. Wer ein bißchen genauer hingesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass das Thema schon davor, vor allem im Internet, brodelte und köchelte, und anscheinend war nun die Zeit reif dass es überkocht, seinen Weg in den Rest der Welt und dort ein wenig mehr Beachtung findet. Ich selber verfolge das Thema, online eher passiv, offline zunehmend aktiv, auch bereits eine ganze Weile, und denke durch unzählige Tweets und Blog-Einträge (aber so gut wie keine Beiträge in den “klassischen Medien”) schon einigermaßen sensibilisiert worden zu sein, und entsprechend nachdenklich damit umgegangen zu sein.

Dementsprechend lässt mich der jetzige Sturm nicht kalt, wahrlich nicht. Ich habe lange darüber nachgedacht ob ich meine Meinung zu diesem Thema öffentlich kundtun sollte, aber am Ende waren es wohl die fehlenden POSITIVEN männlichen Stimmen in der Diskussion zum #aufschrei, die mich dazu bewogen haben. Es wird zwar zunehmend von (weiblichen) Stimmen darauf hingewiesen dass es eben nicht um eine pauschale Verurteilung von Männern geht, dass nicht jede Frau, die Opfer von Sexismus oder sexueller Belästigung geworden ist, sofort lesbisch wird (nicht dass das eine “Wahl” wäre) und mit Männern abschließt. Dass heterosexuelle Verbindungen und Flirts, oder das ganz normale “sich näher kommen” keineswegs verdammt werden. Sprich: dem Mann wird nicht sein Existenzrecht abgesprochen, und auch nicht dem Sex zwischen Mann und Frau.

Dennoch: die männliche Sicht, die die Notwendigkeit dieser Diskussion und die (hoffentlich) daraus erwachsende Sensibilisierung sieht und rechtfertigt, die fehlt ein wenig, und vielleicht ist sie ja auch mal sinnvoll. Wie so oft bei Blogeinträgen zu aktuellen Themen, ist auch dieser davon durchdrungen einem Haufen, durchaus auch wütender, Gedanken einen Auslass und eine Sortierung zu verschaffen, ich hoffe also dass der Beitrag verständlich ist.

Also, falls es noch nicht klar geworden ist: ich bin ein heterosexueller Mann, der viel von Frauen hält, gerne mit diesen Umgang pflegt & sich mitunter in eine verliebt. Ich habe die ganz normalen Schwierigkeiten im sozialen Umgang, die wohl jeder an der ein oder anderen Stelle haben mag. Nicht immer kann ich z.B. eine Situation sofort korrekt einschätzen (wer kann das schon?), orientiere mein Verhalten dann aber an der Devise “lieber vorsichtiger, als zu forsch agieren”. Mein Handeln ist primär von Respekt und Freiheitsdenken geprägt, ich gestehe jedem Menschen die Freiheit zu seine Meinung zu äußern, seine eigenen Grenzen zu haben, aber die Grenzen anderer zu respektieren, sein Leben zu leben wie er oder sie es will. Und das gilt (was wohl leider nicht “natürlich” ist) sowohl gegenüber Männern als auch Frauen.

Nun kann “Mann” sich die Frage stellen: was kümmert es dich denn, wenn andere Männer Frauen belästigen (oder nicht), und wie diese damit umgehen sollen? Wenn ich, wie ich einfach mal behaupte, tatsächlich ein “Ally” (also Feminismus-Sympathisant/Unterstützer) bin, dann dürfte das für mich doch kein Problem im täglichen Leben sein, dann sollte ich mein Umfeld ja entsprechend konditioniert bzw. ausgesucht haben? Doch, es ist ein Problem. Denn es ist, wie wir gerade erleben, ein gesellschaftliches Thema, und deswegen geht es auch mich mittelbar etwas an. Dass es mich auch unmittelbar betrifft, darauf komme ich später noch einmal zurück.

Da ich mich nun eben schon eine Weile mit dem Thema beschäftige, bin ich auch offline bereits öfter in entsprechende Diskussionen verwickelt worden. Fälschlicherweise dachte ich, da ich wahrscheinlich tiefer in der Materie stecke als mancher Diskussionspartner, ich hätte genug Argumente dem ein oder anderen das Problem zu vermitteln. Aber: so einfach ist das leider nicht. Denn diese detaillierten Argumentationen, die sprachlichen Feinheiten, die Einzelbeispiele oder Eigenerfahrungen (die ich natürlich lediglich zitieren, nicht aber selber beitragen kann), das Niveau auf dem das Thema in den Blogs mittlerweile diskutiert wird, ist meist ein inhaltlicher Overkill, wenn es zunächst nur darum geht zu verdeutlichen dass es tatsächlich, wirklich IN ECHT ein Problem gibt. Daher habe ich die Erfahrung gemacht, dass man durchaus “allgemeinere” Positionen einnehmen kann und muss, denn alles darüber hinausgehende lässt das Gegenüber schnell abschalten bzw. mit weiterem Unverständnis zurück. Ein paar Global-Argumente seien hier mal aufgelistet, für die anvisierte Zielgruppe möglichst verallgemeinert und vereinfacht (ohne diese für dumm zu erklären, es geht nunmal zunächst um Sensibilisierung für ein Problem, das von vielen nicht für eines gehalten wird). Und ja, ich weiß, es ist “nur” eine weitere Argument-Liste, aber mit der Hoffnung in einer mitunter arg oberflächlichen (pragmatischen?) (Männer-)Diskussion durchaus brauchbar zu sein. Es reichen auch häufig 1-2 Argumente, denn der “durchschnittliche Sexismus-Leugner” hat sich eben noch keine großartigen Gedanken zu dem Thma gemacht:

  • Wenn 30.000+ Stimmen im Netz ihre schlechten Erfahrungen kundtun, geht es dann wirklich noch um Einzelfälle? Und wenn es bei Männern auch ein Problem sein sollte, wieso nicht annähernd so viel #Aufschrei, wieso gibt es dafür kein Hashtag?
  • Wann hast DU als Mann das letzte Mal Angst gehabt, nachts auf der Straße zu sein? Hier in Deutschland, in deiner ganz normalen Nachbarschaft! Und warum empfiehlt man einer Frau dies nicht zu tun? Warum kann sie dieses Recht aus Angst nicht uneingeschränkt wahrnehmen? Wenn die Belästigung von Männern tatsächlich auch so ein Problem ist, wieso gibt es für diese dann keine derartigen Ratschläge?
  • Wann hast DU dir das letzte Mal Gedanken gemacht dass du etwas nicht anziehen solltest, weil dich einer deswegen vielleicht blöd anquatscht, oder gleich für “Freiwild” hält? Und gäbe eine kurze Hose oder ein Muscle-Shirt automatisch jeder Frau die Erlaubnis dich anzumachen oder anzutatschen?
  • Glauben wirklich so viele Männer, die #Aufschrei-Nachrichten kommen alle von “frustrierten, hässlichen Emanzen”? Sprechen sie “attraktiven” Frauen automatisch eine eigene Meinung ab, weil sie’s “ja nicht nötig haben”? Sollten Frauen am Ende gar nicht wählen dürfen?
  • Glaubst du ernsthaft dass es irgendeine Frau darauf anlegt von Männern angegrabscht und eingeschüchtert zu werden? Ansehen heißt nicht anfassen, egal wie sich die Frau kleidet. Ganz abgesehen davon dass es auch beim Ansehen Grenzen gibt.
  • Ja, es gibt schlimmere Probleme auf der Welt. Aber der Mensch ist schlau genug sich mit mehr als einem Problem zu befassen. Sogar mit vielen hundert, tausenden Problemen. Warum mit diesem gerade nicht?
  • Wenn dich tatsächlich mal eine Frau, die du nicht wirklich interessant findest, anmacht, und du signalisiert du hättest keine Lust: wie oft bist du bereit “Nein” zu sagen, bevor du es unangenehm und unangemessen findest?
  • Muss diese Diskussion sein? Ja, sonst würde sie wohl nicht ein bundesweites Thema sein!
  • Wenn dir ein Typ, der 2 Köpfe größer & 50-70 Kilo schwerer ist als du, etwas sagt was dir nicht passt: wie leicht fällt es dir dich tatsächlich “zu wehren”?
  • Wie leicht fällt es dir, deinem Chef in ausgelassener Stimmung (beim Essen/Betriebsfest etc.) zu sagen “Ich würde es begrüßen wenn Sie nicht so mit mir reden würden!”?

Hier wird natürlich auch wieder auf die 3 Lieblings-Argumentationen “Derailing”, “Täter-Opfer” und “Wehr dich doch!” eingegangen, aber ich versuche das halt möglichst einfach zu machen. Details wird derjenige, bestenfalls, in späteren Diskussionen oder selbständig wahrnehmen und erkennen. Auf noch globalere Argumente, gerade zum #Aufschrei (“Gesteuerte Kampagne!”, “Reine Meinungsmache!”, “Diskutieren ist so, gerade im Internet, unmöglich!”, “Politisch motiviert!”) will ich hier gar nicht näher eingehen, weil es mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun hat.

Und nun noch einmal zurück zu der Frage warum mich das auch unmittelbar betrifft. Ein Beispiel hat z.B. kürzlich @Formschub in seinem Beitrag Männerschatten gebracht: Mir ist es ebenfalls unangenehm, zu denken dasss eine Frau, allein aufgrund der Tatsache dass ich ebenfalls auf der Straße bin, Angst hat. Ich bin nicht auf der Welt um anderen Menschen Angst zu machen. Ich möchte nicht dass eine Frau, wenn ich sie auf der Strasse nach dem Weg fragen will, zunächst denkt ich würde sie blöd anmachen oder nach ihrer Telefonnummer fragen wollen. Ich möchte nicht zu der Gruppe der “armen, von Falschanschuldigungen und Zickenkriegen unterdrückten” Männer gehören. Denn diese Gruppe ist eine Illusion. Ich möchte nicht über irgendwelche Körperausprägungen (seien es Geschlechtsmerkmale, Größe, Gewicht oder Aussehen) Witze reißen, wie ich auch hoffe dass man über mich keine Witze macht. Das gilt für an- und abwesende Personen. Kurz: ich möchte mich nicht für mein Geschlecht schämen müssen.

Ich denke (und hoffe) also, dass durch die #Aufschrei-Aktion dieses Thema nun ein wenig weiter oben auf der Agenda ist, Diskussionen angestossen werden, und wir ein paar Schritte weiter aus dem moralischen Mittelalter herauskommen. Dass die Gesellschaft ein wenig angenehmer und respektvoller wird. Nun ja, man wird ja noch träumen dürfen. Was Aufmerksamkeit angeht, ist #Aufschrei jetzt schon ein Erfolg. Macht weiter so, ich, “als Mann”, begrüße das eindeutig!


Zum weiterlesen seien u.a. folgende Blog-Einträge empfohlen, die mir Input für diesen Eintrag gegeben haben, und die auf Aspekte eingehen die ich hier bewusst weggelassen habe – eben weil sie schon so gut dargelegt wurden:

Ein interessanter Cicero-Artikel, der z.B. der Netzkampagne die Wirkung abspricht, weil das Problem ja offline viel besser diskutiert werden kann – dass der Netzsturm diese Diskussion(en) wohl erst anstösst (und darum geht es schließlich), übersieht er geflissentlich:

Eine der wenigen Männerstimmen die ich gefunden habe:

und der (vielbeachtete, differenzierte) Artikel um den es darin (auch) geht:

Und, last but not least, das von mir hoch geschätzte und sehr zu empfehlende Antiblog, sowie das daraus hervorgegangene Feminismus101-Blog:

Anmerkung: Ich bin im übrigen nicht gut im gentrifizieren gendern von Texten, ich bitte darum mir aus derlei Kleinigkeiten hier keinen Strick zu drehen. (Update: tatsächlich so schlecht, dass ich nicht mal das genaue Wort weiß…)

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Über Greg B.

Just trying to find my way.

30 Antworten zu “Eine (männliche) Stimme zum #Aufschrei”

  1. ed sagt :

    s/gentrifizieren/gendern/
    (gentrifizieren hat was mit stadtteilsaufwertung zu tun ;) thats all.

  2. schokomuffin sagt :

    Sehr guter Artikel, vielen vielen Dank dafür. Ich hoffe, er wird von vielen Männern gelesen.

  3. Sven sagt :

    Okay… ich hatte tatsächlich schon einige male Angst davor im dunkeln nach Hause zu gehen. Das lag aber nicht am anderen Geschlecht, sondern daran, dass es in Berlin derzeit sehr viel Gewalt gibt. Ich hoffe natürlich, dass Frauen nicht bei jeden Mann Angst haben, den sie Nachts auf der Straße sehen, denn das würde die Lebensqualität schon sehr einschränken und es würde dazu führen, dass Männer erst einmal nur als Täter angesehen werden. Ich bin kein Täter und ich will kein Täter sein. Ich möchte nicht, dass Frauen Angst haben, wenn sie vor mir laufen.

    Ich muss zugeben, ich verringere mein Tempo, wenn eine Frau vor mir läuft und mir auffällt, dass sie plötzlich schneller wird. Ich habe Zeit und wenn sie mehr Abstand haben möchte, eben weil sie Angst hat, dann gebe ich ihr diesen.

    Hach, ich glaube, es wird doch noch einen dritten Blogartikel bei mir zum Thema geben…

  4. schuehsch sagt :

    Schön, dass noch ein Mann scih äußert!
    Zum Thema: “Es gibt schlimmere Probleme auf dieser Welt” (ein unheimliches Totschlagargument) möchte ich sagen, dass ich es für naiv halte, dass wir diese “schlimmeren” Probleme schnell lösen können, wenn die Hälfte von uns (das ist jetzt sehr plakativ, eigentlich sind es deutlich mehr, ich weiß) sich darüber Gedanken machen muss, ob sie jetzt alleine über die Straße gehen können.
    Anders gesagt und war wieder sehr plakativ: Ich glaube nicht, dass Menschen, die sich häufig bedroht fühlen, den Kopf frei haben, um auch noch den Müll zu trennen. Dafür sind diese Arten von Bedrohung wie sexualisierte Belästigung viel zu nah, eine Erwärmung der Erdatmosphäre um x Grad hingegen relativ weit weg.

    • Greg B. sagt :

      Ja, im Grundsatz sehe ich das auch so. Es zeigt sich ja insbesondere in Deutschland, dass das hohe Wohlstandsniveau die Beschäftigung mit Themen ermöglicht die anderswo unter ferner liefen einzuordnen sind. Ähnlich mag es auch funktionieren, wenn zumindest ein Teil der Angst beseitigt werden könnte.

  5. Heike Rost sagt :

    Sehr guter Post; so manchem Kommentator sollte man seine Lektüre empfehlen … ;)

  6. Lisa sagt :

    Mit deiner Konstruktion der schwachen kleinen Frau vs. großer starker Mann reproduzierst du Rollenklischees und ignorierst heftig weitere krasse Herrschaftsverhältnisse. Noch nie über den 16jährigen schmächtigen Nerdjungen nachgedacht, der unter der Tyrannei seiner subtil gewalttätigen Mutter leidet?

    Und ja, ich kenne Männer, die Angst haben nachts rauszugehen und verprügelt zu werden, z.b. weil sie “zu schwul” oder “zu schwarz” aussehen.

    Frauen haben ihre Opferhaltung nicht gepachtet.

    • Greg B. sagt :

      Die (schwächere) kleine Frau vs. großer (stärkerer) Mann ist meist der Regelfall, und nicht konstruiert. Es ging mir auch nicht darum sämtliche denkbaren Situationen zu erfassen, mir ist klar dass es noch viel mehr, und viel subtiler ausgenutzte Macht-(Miss-)Verhältnisse gibt. Diesen spreche ich die Notwendigkeit, dass sie beachtet werden müssten, nicht ab. Auch dass es umgekehrt auch Männer gibt die Angst haben rauszugehen, weil sie zu “schwul” oder zu “schwarz” aussehen ist mir bewusst.

      Was du schreibst ist aber eben das klassische Derailing: ja, es gibt auch andere Probleme, aber immer eines zur Zeit, und nur weil ich hier über das “klassische” (weil leider vorherrschende, wie uns #Aufschrei beweist) Verhältnis Mann -> Frau schreibe, heißt es nicht dass ich alle anderen ignoriere oder gut heiße. Es ist ein Blogeintrag zu einem Thema, keine Abhandlung zum Zustand der Welt.

      Abgesehen davon: ich habe nicht behauptet dass Frauen eine Opferhaltung gepachtet hätten, weil ich derartige Verallgemeinerungen für mehr als grenzwertig halte.

  7. Franziska sagt :

    Danke für diesen Artikel. Ich glaube, es braucht einfach noch mehr Männer, die jetzt solidarisch sind, statt sich von einer Aktion angesprochen oder an den Pranger gestellt zu fühlen, die sie gar nicht meint. Es tut gut, dass es euch gibt!

  8. Sathiya sagt :

    Ja, volle Zustimmung. Sehr gut geschrieben, und danke für die Links.:-)
    Ein Dilemma… ich hoffe, wir alle können das lösen. Wollen das lösen.
    Lg, Sathiya

  9. paul sagt :

    Es gibt keine Rechtfertigung für arschiges Verhalten, da hast Du völlig Recht, ich habe den hashtag seit Freitag nimmer mehr verfolgt, aber wenn die Diskussion wirklich so meta und ablenkend geworden ist, ist das wirklich traurig – überraschend ist es nicht. Mich stört an Deinen Worten das, was mich die ganze Zeit stört; das Männer kein Recht haben sollen, sich an der Diskussion jenseits eines “Och, ihr Armen, das wusst’ ich ja gar nicht” zu beteiligen. Den Fragen in Deinen ersten Stichworten möchte ich mich kurz widmen, die restlichen wirken leicht konstruiert, niemand ernst zu Nehmendes behauptet, dass es ok ist, ein “Nein” nicht als solches zu respektieren – dabei brauchst Du die Situation gar nicht zu dramatisieren, sie ist schlimm genug. Zu Deinen rhetorisch gemeinten Fragen: Ich bin gut 2.00m gross, gut 100kg schwer, beherrsche eineinhalb Kampfsportarten und ja, ich habe Angst im Dunkeln. Ja, ich atme auf, wenn ich aus der U-Bahn komme und keine Schritte hinter mir höre – in meiner Nachbarschaft. Ja, ich kleide mich unauffällig, wenn ich nachts ÖPNV brauche.. des Winters trage ich ausschliesslich schwarz, um eben kein Angriffsziel sein zu können. Wir alle sind die Summe unserer Erfahrungen und Angst vor Gewalt ist kein Frauenrecht.

    Eine kurze Hose übrigens hatte ich (Ausnahme: Schwimmbad, Grillpartys ohne Fremde) zuletzt mit 12 an, grob geschätzt und als regelmässiger Studio-, vor allem Schwimmbadbesucher komme ich oft in die Situation weibliche Blicke auf mir zu spüren. Nicht immer stören sie mich und ich gebe zu, dass dies nicht wenig von der Attraktivität, der Zahl und dem Geschlecht der Guckenden abhängt. Sexistisch ist das von mir aber nicht, denn so oft wie ich “der schmierige alte Sack” in Bezug auf Rainer gelesen habe, scheint die optische Bewertung des Angreifers legitim. Im Sommer hat meine Schwimmhalle zu und ich muss die meines Studios besuchen. Des guckenden (und redenden) Frauenanteils wegen gehe ich statt fünfmal die Woche dann einmal alle fünf Wochen. Bittende Worte helfen da selten.. der Glaube (und das hörte ich mehr als einmal) ist dann gerne, dass jemand der trainiert auch beguckt, angegraben (selten) und begrapscht (zweimal) werden möchte; “Du willst es doch auch” verknappt gesagt.

    Ich verstehe sogar, dass vielen Frauen nicht-weibliche Erzählungen unerwünscht sind. Das hat neben traditionellen Gründen die Hoffnung auf Gehör und der Angst vor Störfaktoren als Ursache, ich akzeptiere das auch, mir sind es aber einfach zu viele “jetzt reden wir”, “damit ihr auch einmal wisst” und “ihr habt ja keine Ahnung, was”. Es ist nicht nur nicht schön, es verändert auch das eigene Bewusstsein, den Blick auf sich selbst; auf Äusseres reduziert zu werden, egal ob der Grund dafür nun Körbchengrösse oder Schulterbreite ist. Das männliche Rufe unterrepräsentiert sind, hat noch weitere Gründe. Die vielen Blogs und Tweets, die sich mit einem “hier geht es aber um uns, ihr sollt zuhören!” dies verbieten, die Angst kein Weichei zu sein, das fehlende Bewusstsein, dass das überhaupt sexistisch ist, das Mann überhaupt den Mund aufmachen und sich belästigt fühlen darf. Mit dem “Mann stark, Frau schwach”-Bild sind wir schliesslich alle aufgewachsen. Ich zum Beispiel hätte niemals etwas zu dem hashtag geschrieben, oder in einen weiblichen Blog, mann will ja nicht stören, eben weil die Diskussion so wichtig ist, als Frau hätte ich locker ein Promille zu den 30.000 tweets beitragen wollen. Und natürlich sind es auch in der Gesamtheit weniger betroffene oder sich betroffen fühlende Männer, ja, na klar. Aber ist das relevant? Braucht es eine Zahl an Gesamtfällen damit der Einzelne den Mund aufmachen darf? Dieser Argumentation kann und möchte ich nicht folgen.

    Für mich als Softie ist der Zugang zu weiblichen Geschichten und die Auseinandersetzung damit nicht neu und erschütternd (meinen Blickwinkel erweitern konnte ich die letzten Tage trotzdem sehr) und weil die Frauen meines Umfeldes damit sehr locker umgehen, sind für mich männliche Erfahrungen genauso interessant und neu, oder zumindest meine Sichtweise darauf. Wie zum Beispiel und ganz konkret die eines Bekannten, der der einzige Mann in einem Kindergarten ist und einfach anders behandelt wird als es die Kolleginnen untereinander tun. Sei es die Art der Begrüssung, der Themenwechsel wenn er den Raum betritt, der tägliche Hinweis auf sein Geschlecht, seien es die die beiden Mütter, die solange einen Vorwand finden noch zu bleiben, bis sie ihre Kinder einer Frau an die Hand geben können. Offenbar wissen wir alle noch sehr viel weniger vom anderen als wir dachten und so ist “wir aber auch” keine Relativierung weiblicher Erfahrungen, es ist ein weiterer Aspekt und es ist die Emanzipation davon, aufgrund des Geschlechtes stark sein und den Mund halten zu müssen.

    • Greg B. sagt :

      Danke für den differenzierten Beitrag…das sei jetzt so explizit gesagt, weil ich, bevor ich diesen Artikel veröffentlichte, natürlich eher mit “Maskulisten”-Kommentaren wie aus den einschlägigen Blogs, oder auch (noch schlimmer) von SpOn oder Facebook bekannt, gerechnet hatte. Das blieb bisher zum Glück aus. Wahrscheinlich sind es u.a. auch jene Kommentare die mein Bild von der männlichen Seite in dieser Diskussion mittlerweile (leider) stark geprägt haben. Das nur so vorweg.

      In meinen, zugegebenermaßen etwas vereinfachten, Argumenten übertreibe ich es gezielt ein wenig, um eben auch den Ignoranten irgendwie darauf aufmerksam zu machen, dass es ein Problem gibt. Denn wenn jemand ein Problem ignoriert, oder nicht als solches wahrnimmt, dann muss man wohl mitunter etwas übertreiben, oder “konstruierte” Beispiele zur Hilfe nehmen. Keinesfalls wollte ich ausdrücken dass Männer dieser Problematik nicht ausgesetzt sind. Ich wollte auch nicht sagen dass sie nicht ihre Seite der Geschichte darstellen dürfen: vorausgesetzt sie tun es in einem normalen, gesitteten Diskurs. Eben die “Diskussionen” á la “Wehr dich doch!”, “Die muss mal wieder durchgenommen werden!” oder “Lass den alten Sack doch, der tut doch keinem was!” finde ich nicht hilfreich.

      Interessant finde ich, dass du bei mir herausliest ich würde Männern das Recht an der Diskussion teilzunehmen verbieten. Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich wünschte mir dass MEHR Männer auf einer SACHLICHEN Ebene über dieses Thema mitdiskutieren. Es als notwendige Diskussion ansehen. Und nicht nur sagen “Das ist übertrieben.” oder, damit gehe ich dann auch gleich auf dich ein, “Männer haben solche Probleme auch!”.

      Ich will keineswegs behaupten dass Männer nicht auch derlei Probleme haben. Vielleicht ist das tatsächlich öfter der Fall als allgemein wahrgenommen. Ein bißchen populistisch gesagt, eine kreischende Frauenmeute bei den California Dream Boys stelle ich mir als Mann auch eher unangenehm vor. Wobei dies ja in einem definierten, kontrollierten Rahmen passiert.
      Kurz zu zwei von dir angesprochenen Punkten im einzelnen:
      Der Größenunterschied: ich habe keine Statistik zur Hand, aber behaupte mal einfach dass die Durchschnittsgröße eines erwachsenen Mannes 10-15cm über dem der Frauen liegt. Und das Durchschnittsgewicht entsprechend auch. So dass schon rein statistisch eher ein großer Mann auf eine kleinere Frau trifft als umgekehrt (Läden für Übergrößen z.B. mal ausgenommen). Dementsprechend halte ich mein Beispiel keineswegs für konstruiert, sondern eher für den Normalfall. Gerade die “Vollhonks” unter den Männern verlassen sich ja oft auch auf körperliche Einschüchterung, ob durch aggressives Gehabe oder eben reine Körpergröße.
      Die Angst in der U-Bahn: ja, mir ist nachts um 4 auf einem abgelegenen U-Bahnhof auch mulmig. Aber: ich habe noch nie (bzw. selten) die Notwendigkeit gesehen mir einen Begleiter zu suchen, um nicht allein unterwegs zu sein (mit 194/95kg auch nicht gerade klein). Ich sehe aber selten nachts Frauen allein unterwegs, oder nachts beim Joggen im Park. Weil sie doch wesentlich öfter als Männer lieber zu zweit oder dritt unterwegs sind, um sich ein wenig absichern zu können. Oder gleich ein Taxi nehmen. Ergo: Angst vor Gewalt ist natürlich kein Frauenrecht, aber eine Frau muss (zumindest gefühlt) hierzulande doch immer noch mehr Angst vor tätlichen Übergriffen haben als Männer. Wieder: Statistik habe ich leider nicht zur Hand. Und Vergewaltigung von Männern ist nun wirklich ein eher marginales Problem (auch hier: Behauptung von mir).

      Ich verstehe dass die schiere Menge und Lautstärke der Diskussion, und der Fokus auf den Sexismus gegenüber Frauen ermüden können, einen abschalten lassen. Und ich finde auch, dass eine Diskussion über die Umkehrung vielleicht eben so viel Sinn machen würde. Aber ich glaube wir erleben auch gerade wieder, wie sich eine neue Diskussionskultur, basierend auf einem Auslöser, und der Vervielfältigung und Verstärkung durch Social Media, und dem Feedback-Loop zu den klassischen Medien, ihren Weg bahnt. Derartige große, geschellschafts-betreffende Diskussionen können aber nicht unendlich verkompliziert werden, und auch nicht beliebig viele zur selben Zeit diskutiert werden. Daher muss vielleicht erstmal dieser Themenpunkt durchdekliniert werden, in der Gesellschaft ankommen und verarbeitet werden, und vielleicht Veränderungen bewirken. Daraus ergibt sich dann evtl. auch das entgegengesetzte Thema, wenn sich denn genug Männer zu Wort melden. Tatsächlich überlege ich, einen entsprechenden Blogpost dazu auch mal zu schreiben, allerdings (so wie dein Kommentar), aus einer persönlicheren Perspektive.

      Um zum Ende zu kommen: ja, wir wissen viel zu wenig voneinander, sowohl vom anderen Geschlecht, als auch vom eigenen. Und ich finde wir haben jetzt (mal wieder) eine Gelegenheit dem Abhilfe zu schaffen.

  10. Max sagt :

    Wann hast DU als Mann das letzte Mal Angst gehabt, nachts auf der Straße zu sein? Hier in Deutschland, in deiner ganz normalen Nachbarschaft! Und warum empfiehlt man einer Frau dies nicht zu tun?

    Wenn das bei dir so ist musst du das Problem mit dir klären.

    In meinem Umfeld (Großstadt) gibt es Ecken wo ich auch als Mann nachts nicht hingehe (z.B. Umschlagplatz für harte Drogen) aber ansonsten sind hier alle Frauen aus meinem Bekanntenkreis problemlos nachts unterwegs.

    Wann hast DU dir das letzte Mal Gedanken gemacht dass du etwas nicht anziehen solltest, weil dich einer deswegen vielleicht blöd anquatscht, oder gleich für “Freiwild” hält? Und gäbe eine kurze Hose oder ein Muscle-Shirt automatisch jeder Frau die Erlaubnis dich anzumachen oder anzutatschen?

    Das ist ganz einfach, ich brauche mir keine Gedanken darüber machen weil Kleidung bei der von mir Geschlechtsteile sichtbar sind gibt es für mich nur im Sexshop. Bei Frauen ist diese Art von Kleidung Standard.
    Frauen halten quasi permanent ihre Brüste partiell in die Öffentlichkeit. “Minirock ohne Slip sowas muss erlaubt sein” … Aber wenn ein Mann seinen Penis aus dem Reißverschluss hängen lässt ist das sexuelle Belästigung und Erregung öffentlichen Ärgernisses.

    Glauben wirklich so viele Männer, die #Aufschrei-Nachrichten kommen alle von “frustrierten, hässlichen Emanzen”? Sprechen sie “attraktiven” Frauen automatisch eine eigene Meinung ab, weil sie’s “ja nicht nötig haben”? Sollten Frauen am Ende gar nicht wählen dürfen?

    Nein glauben Männer nicht. Solche extremen Sexistischen Meinungen habe ich in den letzten 5 Jahren nicht mehr gehört.

    Die interessantere Frage ist vielmehr: Warum sprechen Frauen nicht mit Männer über diese Probleme wenn sie ihnen so wichtig sind. Das sollte zumindest in vertrauensvollen Beziehung doch möglich sein. Aber so wie die Reaktionen der Männer ausfiel scheinen viele davon gar nichts gewusst zu haben.

    Ansehen heißt nicht anfassen, egal wie sich die Frau kleidet. Ganz abgesehen davon dass es auch beim Ansehen Grenzen gibt.

    Falsch, wenn eine Frau ihre Geschlechtsteile teilweise nackt präsentiert und sie ggf vergrößern läßt oder mit einem BH oder push up noch in Position bringt dann ist das für mich eine eindeutige Willenserklärung das sie möchte das man die Brüste beachtet.
    Im Grunde zeugt es von der Selbstbeherrschung der Männer das sie trotz der vielen “Aufforderungen” nur selten übergriffig werden. Es ist schon fast ein Wunder das trotz der Konditionierung nicht auf Brüste zu reagieren, die Brüste beim wirklichen sexuellen Akt nicht links liegen gelassen werden.

    ACHTUNG Provokativ:
    Ähnlich verhält es sich beim Sex. Jeder halbwegs erfahrene Mann hatte schon ein Beziehung mit einer Frau die Sex bzw. Sexentzug als Machtinstrument eingesetzt hat. Viele Männer beenden solche Beziehungen, weil sie Sex mit Lust, Spaß und Vertrauen verbinden, aber das geht nicht mehr wenn Sex als Machtinstrument benutzt wird. Einige Männer ordnen sich auch unter. Und ein paar versuchen die Macht zurückzugewinnen und dann wird es problematisch.
    Natürlich liegt die Schuld weiter bei den Männer wenn sie einen sexuellen Übergriff machen, aber da über 80% davon in Familien stattfindet finde ich sollte man sich auf die Ursachensuche begeben. Da es heute in vielen Filmen und Serien selbstverständlich ist das Frauen Sex benutzen um ihre Wünsche beim Partner durchzusetzen wollte ich mal klar benennen wie das aus Männersicht wirkt und zeigen das es auch eine Form von Unterdrückung ist die unschön enden kann. Bitte liebe Frauen denkt das nächste Mal daran wenn ihr Sex einsetzt um einen Wunsch erfüllt zu bekommen was das für “Nebenwirkungen” haben kann.

    • Greg B. sagt :

      Wenn das bei dir so ist musst du das Problem mit dir klären.
      In meinem Umfeld (Großstadt) gibt es Ecken wo ich auch als Mann nachts nicht hingehe (z.B. Umschlagplatz für harte Drogen) aber ansonsten sind hier alle Frauen aus meinem Bekanntenkreis problemlos nachts unterwegs.

      Wieso muss ich das Problem klären, wenn Frauen sich in einigen Teilen meiner Stadt Sorgen machen müssen ob sie dort nachts unterwegs sind? Es geht in meinem ganzen Beitrag darum, das Bewusstsein dafür zu verbreiten dass es dieses Problem durchaus gibt, und für Frauen wesentlich häufiger als für Männer. Dass Frauen bei dir problemlos unterwegs sind ist schön, aber frag’ sie mal ob sie sich dabei (insbesondere wenn sie allein unterwegs sind) immer wohl fühlen. Nur weil noch nichts passiert ist, heißt es nicht dass es gut ist.

      Das ist ganz einfach, ich brauche mir keine Gedanken darüber machen weil Kleidung bei der von mir Geschlechtsteile sichtbar sind gibt es für mich nur im Sexshop. Bei Frauen ist diese Art von Kleidung Standard.
      Frauen halten quasi permanent ihre Brüste partiell in die Öffentlichkeit. “Minirock ohne Slip sowas muss erlaubt sein” … Aber wenn ein Mann seinen Penis aus dem Reißverschluss hängen lässt ist das sexuelle Belästigung und Erregung öffentlichen Ärgernisses.

      Du verwechselst hier glaube ich primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale. Ich würde die (partielle) Sichtbarkeit von Brüsten nicht mit der noch so kleinen Sichtbarkeit eines Penis vergleichen. Außerdem, die komplette Entblößung der weiblichen Brust würde wohl auch als Erregung öffentlichen Ärgernisses gelten. Die sekundären Geschlechtsmerkmale eines Mannes werden von der Mode allerdings durchaus präsentiert, sei es die Brustbehaarung oder der Bartwuchs, aber eben auch der Körperbau (sprich: hervorgehobene Muskeln durch eng anliegende Kleidung). Aber auch diese Präsentation rechtfertigt keine “Übergriffe”, also Berührungen mit denen das Gegenüber nicht einverstanden ist. Und beim Minirock ohne Slip ist es ähnlich…nur diese Tatsache berechtigt dich nicht ihr unter den Rock zu fassen.

      Nein glauben Männer nicht. Solche extremen Sexistischen Meinungen habe ich in den letzten 5 Jahren nicht mehr gehört.

      Dann sieh’ dir bitte mal die Kommentare in der aktuellen Berichterstattung zu dem Thema an, sei es bei SpOn oder SZ oder auf irgendwelchen Blogs zu dem Thema.

      Falsch, wenn eine Frau ihre Geschlechtsteile teilweise nackt präsentiert und sie ggf vergrößern läßt oder mit einem BH oder push up noch in Position bringt dann ist das für mich eine eindeutige Willenserklärung das sie möchte das man die Brüste beachtet.
      Im Grunde zeugt es von der Selbstbeherrschung der Männer das sie trotz der vielen “Aufforderungen” nur selten übergriffig werden. Es ist schon fast ein Wunder das trotz der Konditionierung nicht auf Brüste zu reagieren, die Brüste beim wirklichen sexuellen Akt nicht links liegen gelassen werden.

      Du willst es also als Errungenschaft ansehen, dass die Männer sich nicht mehr wie Tiere verhalten und, wenn sie brünftig sind, einfach die nächstbeste Dame antatschen, nur weil man ihre _sekundären_ Geschlechtsmerkmale sieht? Ich dachte das hätten wir schon vor 5000 Jahren überwunden. Ausserdem, ich finde es ist nichts dagegen zu sagen dass eine Frau ihre Brüste in ihr Aussenbild mit einbringt. Aber es ist wohl etwas dagegen zu sagen, wenn man sein Bild von ihr eben daran festmacht, und darauf besteht dass man nun das Recht hätte ihr auf eben diesen Busen zu starren. Hat auch was mit Anstand zu tun.
      Ausserdem, auch Brustvergrößerung ist keineswegs eine eindeutige Willenserklärung dass man sie beachten soll. Da sollte MANN sich vielleicht nicht überschätzen, dass FRAU alles nur macht um dem Mann zu gefallen. Frauen haben ein Selbstbild, wollen mit sich zufrieden sein, wie Männer auch. Und wenn dazu eine größere Brust gehört ist das ihre Entscheidung für sich.

      Natürlich liegt die Schuld weiter bei den Männer wenn sie einen sexuellen Übergriff machen, aber da über 80% davon in Familien stattfindet finde ich sollte man sich auf die Ursachensuche begeben. Da es heute in vielen Filmen und Serien selbstverständlich ist das Frauen Sex benutzen um ihre Wünsche beim Partner durchzusetzen wollte ich mal klar benennen wie das aus Männersicht wirkt und zeigen das es auch eine Form von Unterdrückung ist die unschön enden kann. Bitte liebe Frauen denkt das nächste Mal daran wenn ihr Sex einsetzt um einen Wunsch erfüllt zu bekommen was das für “Nebenwirkungen” haben kann.

      Hier stimme ich dir tatsächlich zu – Sex sollte nicht als Waffe benutzt werden. Aber vielleicht als Signal dass es Bedarf gibt über etwas zu reden! Wenn die Frau tatsächlich den Sex “verweigert”, dann wird das seinen Grund haben. Und darum geht es ja schließlich: wieder mehr Kommunikation zwischen Frau und Mann.

  11. Viktoria Hammon sagt :

    Dies ist der zweite Artikeln eines Mannes, der mich berührt hat. Der erste stand im Stern:

    http://www.stern.de/politik/deutschland/sexismus-debatte-beweg-dich-mann-1960920.html#utm_source=standard&utm_medium=twitter&utm_campaign=sternde

    Auch der Satz in diesem BLOG hat mich berührt:
    “Kurz: ich möchte mich nicht für mein Geschlecht schämen müssen.”

    Das ist so wunderbar auf den Punkt gebracht und sagt eigentlich alles aus, und zwar für beide Geschlechter.

    Meine Schlussfolgerung aus der Debatte ist:
    Männer und Frauen müssen sich wieder vertrauen (lernen).

    Die Schlussfolgerung aus einigen Beiträgen:
    Männer und Frauen haben das tiefe Bedürfnis, sich zu vertrauen.

    Meine Schlussfolgerung aus der Feminismusdebatte:
    Männer und Frauen wollen sich nicht gegeneinander abgrenzen, sondern MITEINANDER LEBEN:

    Ja, man wird ja noch mal träumen dürfen …

    • Greg B. sagt :

      Vielen Dank für die schönen Worte, und den Link. Diesen Artikel, der sich mit meinen Worten an vielen Stellen deckt, hatte ich noch gar nicht gelesen. Es besteht also vielleicht doch Hoffnung!

  12. futterschnute sagt :

    Ja, ich bin eine Frau, und ich bin irgendwie anders, mittlerweile geht mir der #Aufschrei gewaltig auf die Nerven!
    Der Anlaß, der zu dem Aufschrei führt, war meiner Meinung nach hinterhältig, was sich auch daran zeigt, daß Brüderle gestern abend bei Jauch von fast allen die “Absolution” erhielt.
    Wayne es interessiert: http://futterschnute.wordpress.com/2013/01/25/das-hinterfotzige-dirndl/

    Warum bin ich genervt? deshalb: http://futterschnute.wordpress.com/2013/01/28/liebe-femistinnen/

    denn das hier gilt es u.a. wieder öffentlich zu thematisieren: http://futterschnute.wordpress.com/2013/01/27/weg-mit-dem-dreck-aufschrei/

    • Greg B. sagt :

      Zum ersten Link: Keine Ahnung ob Brüderle gestern eine “Absolution” erhielt, aber ich glaube insbesondere die #Aufschrei-Aktion hat sich schon längst kilometerweit vom Fall Brüderle entfernt. Ob der Anlass (sprich der Stern-Artikel) hinterhältig war, spielt dabei tatsächlich gar keine Rolle mehr – dass das Thema so hochkocht, damit hat der Stern wohl auch in seinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Entsprechend: ja, wayne interessierts. Es war nur ein Auslöser, und ist (sollte) nicht mehr das Thema sein.

      Zum zweiten Link: Ich denke in der Diskussion geht es mittlerweile primär darum auf das, nach wie vor vorhandene, Machtgefälle zwischen Mann und Frau hinzuweisen – und die unredliche Ausnutzung, meistens durch Männer. Die Argumentation dass Frauen besonders hinterhältig seien, versuchen einige wenige Mainstreammedien aufrecht zu erhalten, was ihnen aber immer weniger gelingt. #Aufschrei wird auch keineswegs vom Stern instrumentalisiert, das haben die gar nicht mehr in der Hand. Mir scheint es auch gewagt, die Dokumentation dieser ganzen “kleinen” Übergriffe im Alltag mit dem Aktivismus von Femen oder Slutwalk in einen Topf zu werfen. Beide wollen wohl ähnliches, nutzen aber sehr unterschiedliche Methoden. Und wegen der Methoden der einen, die anderen zu verdammen: damit macht man es sich einfach. Die Diskussion ist in vollem Gang, und ja, der Weg zur Gleichberechtigung ist lang und hart, aber diese Pauschalisierung macht ihn ungleich härter.

      Und, zum letzten Link, was ich auch hier in einer Antwort schon schrieb: es geht um Sensibilisierung, das präsent machen dieses Themas, und dazu gehört nicht nur sexuelle Gewalt und Übergriffe, sondern eben auch der alltägliche Sexismus und Ausnutzung der patriarchalischen Machtstrukturen, die am Ende auch ein Teil der “Rape Culture”, bzw. der Verdeckung sexueller Straftaten sind. Dieser Diskussion nach 5 Tagen den Riegel vorschieben zu wollen, weil das ja gar nicht das “wahre” Problem ist, halte ich in einem Land von 82 Millionen Menschen, das sich eben nicht über Nacht ändert, für wenig konstruktiv.

  13. Greg B. sagt :

    Ich veröffentliche hier übrigens keine Links die zu persönlichen Anschuldigungen oder Diffamierungen verweisen. Derlei Dinge sollen nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, tragen nicht zu einem gesunden Diskussionsklima bei, und werden daher einfach ignoriert.

  14. jury2001 sagt :

    Diese Diskussion war lange überfällig, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass es sich eigentlich nur um einen Nebenschauplatz handelt. Das Klima in unserer Gesellschaft als Ganzes hat sich so deutlich abgekühlt, dass es nicht wunder nimmt, wenn hier und im #Aufschrei von Angst vor verbaler oder physischer Gewalt berichtet wird. Die Hemmschwellen für solche Gewalt werden immer niedriger und sie richten sich durchaus nicht nur gegen Frauen. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das verschiedene Ursache hat.
    Der Tanz ums Goldene Kalb hat in der Gesellschaft geradezu groteske Züge angenommen. Oder sagen wir es deutlich: Die Verteilungskämpfe werden härter, die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander.
    Gleichzeitig wird eine Individualisierung als Ideal propagiert, die das eigene Interesse, das eigene Fortkommen rigoros über die Interessen der Anderen stellt: “Unterm Strich zähl ich!” Diesen Egoismus, dieses mangelnde Gemeinschaftsgefühl wird uns von unseren politischen und wirtschaftlichen Eliten vorgelebt, die schamlos die Umverteilung von unten nach oben betreiben und dieses Land als privaten Selbstbedienungsladen begreifen.
    Hinzu kommt die Übersexualisierung der gesamten Gesellschaft. Sex sells und auch hier sinken die Hemmschwellen. Das Verhältnis von Männern und Frauen wird wie alles nach Marktgesetzen bewertet und denen unterworfen.
    Immer wieder werden Frauen wie Männer auf ihre Äußerlichkeiten reduziert und Rollenklischees aus dem vorvorigen Jahrhundert sind tief im Denken der Menschen verwurzelt.
    Dies alles soll auf keinen Fall als Legitimation für sexuelle Übergriffe herhalten. Schlimm genug, dass man dies in einer solchen Debatte dazu schreiben muss um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, man wolle insgeheim das Macho-Gehabe und die Altherrenwitze rechtfertigen.
    Ich wollte einfach mal den Blick etwas weiten und darauf hinweisen, dass das Phänomen sexueller Gewalt nur ein Teilaspekt der Verrohung der Gesellschaft darstellt und wir nicht an den Symptomen rumdoktern sollten sondern an die Ursachen ran müssen.

  15. admin sagt :

    Mich regt an der Debatte immer auf, wenn jemand sagt: So schlimm kann Rainer Brüderle nicht sein, schließlich hat Laura Himmelreich ihn anschließend weiterhin berufich getroffen und ist sogar mit ihm im Auto gefahren. Hier meine Antwort darauf:
    http://deraufschrei.wordpress.com/2013/02/02/sexismus-ist-nur-wenn-das-opfer-seinen-job-kundigt/

  16. Hokey sagt :

    Ich bitte um Löschung dieses Kommentars. Was da passiert, hat *nichts* mit Aufklärung zu tun, sondern dürfte üble Nachrede, wenn nicht gar Schlimmeres sein.

  17. Greg B. sagt :

    Aufklärung wäre wohl auch zu viel verlangt, es geht viel mehr darum dass man(n) sich mal Gedanken macht ob an dieser “Kampagne” nicht auch irgendetwas dran ist. Es ist ein Denkanstoss. Wer das von mir geschriebene zu übler Nachrede nutzt, der braucht meinen Kommentar nicht dazu.
    Und bzgl. der #Aufschrei-Tweets & Blogs: auch hier die Frage, glauben Sie wirklich dass zigtausend Aussagen alles “üble Nachrede” sind, wo jemandem “eins ausgewischt” werden soll? Das wäre zumindest eine schöne Verschwörungstheorie, die aber woanders diskutiert werden sollte. Aber ich habe den Link auf blokey.de mal rausgenommen, damit da keiner auf falsche Ideen kommt. Mein Kommentar bleibt aber drin.

  18. Hokey sagt :

    Oh sorry, da habe ich mich vielleicht ungenau ausgedrückt. Ich meinte den Kommentar vor mir. Folge mal dem Link, das ist schon… fragwürdig.

  19. Greg B. sagt :

    In der Tat, danke für den Hinweis. Das hatte ich auch falsch verstanden, aber bei näherem Ansehen des Kommentars komme auch ich zu der Überzeugung dass er zu weit geht. Ich werde deinen Link entsprechend wieder einbauen, wenn das ok ist.

  20. Hokey sagt :

    Mein armes, kleines Blog freut sich über jeden Besucher… ;-)

  21. Greg B. sagt :

    Ist wieder drin…sorry nochmal für das Mißverständnis!

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